Years later... - Was bringt ein Au pair Jahr? Ehemalige Au pairs, die schon einige Jahre ihre Au pair Zeit beendet haben, erzählen.
Bessere Chancen im Berufsleben, Verantwortungsbewusstsein, Selbständigkeit, Toleranz, oder fliessende Englischkenntnisse versprechen die Au pair Organisationen. Hält das Au pair Programm was versprochen wird oder ist alles nur schöngeredetes Marketing?
"Ich habe Au pair geschafft, dann schaffe ich auch das!" denke ich heute noch, über 10 Jahre später, wenn ich wieder einmal in einer schwierigen Situation stecke. Als Frau in einer Männerwelt kommt mir auch manchmal der Gedanke: "Ich habe mich von drei kleinen Jungs nicht ärgern lassen, dann lasse ich mich von Euch großen Jungs auch nicht ärgern!" Viel Mut habe ich also mitgebracht. Doch mir geht es nicht alleine so. Toll umschrieben hat das Melanie - Du kennst sie vielleicht aus dem Forum: "Man hat gelernt ins kalte Wasser zu springen und zu schwimmen. Letztendlich konnte man nur erahnen was einen erwartet und musste dann schwimmen, sich durchsetzen, durchbeißen und auch alleine zurechtzukommen. Im Berufsleben muss man auch mit neuen Kollegen klarkommen, sich neuen Aufgaben stellen, ab und an mal die Zähne zusammenbeißen und einfach schwimmen. Aus dem Jahr mitgebracht habe ich eine gewisse Gelassenheit. Soll heißen wer den Stress mit drei kleinen Kindern aushält, den schockiert so schnell nichts. :)" Also, Führungsetagen nehmt euch in Acht - wir selbstbewussten und unerschrockenen ehemaligen Au pairs kommen!
Einigen Au pairs hat die Erfahrung auch den Weg ins Berufsleben geebnet, so wie Claudi, die danach Kinder zu ihrem Hauptberuf gemacht hat und ihr Referendariat genießt. Ich fand ihre Liste so gut, deshalb steht unten alle Eindrücke zusammen.
Eine nicht zu verachtende Nebenwirkung: das Reisefieber! Zwei weitere längere Auslandsaufenthalte im Berufsleben liegen hinter mir und ich kann es mir irgendwie nicht vorstellen, dass da nicht noch mindestens ein weiterer folgen soll. Eva aus München ist beinahe öfters in New York oder Boston als zu Besuch bei ihren Eltern im Schwäbischen - zumindest denken manche das ;-) Ein nicht unerheblicher Teil der Au pairs geht später im Studium, zum Praktikum, der Liebe wegen oder auch zum Arbeiten in die USA zurück so wie Janine oder aber JuliaB, unsere ehemaligen Tagebuch-Administratorin. Bei vielen ehemaligen Au pairs steht nach einiger Zeit plötzlich wieder USA als Standort in ihren Online-Profilen. Und ganz ehrlich: fast der komplette Rest von uns Au pair Returnees beneidet Euch! Denkt an uns, wenn ihr die guten Pancakes mit Maple Syrup frühstückt!
Alles in allem kann ich mich Claudi nur anschließen: Es bringt "JEDE MENGE!" und "Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich würde es immer wieder tun!" Ein paar Einblicke: Was hat Dir das Au pair Jahr gebracht?
... Eva: - Ich habe mir während und auch nach dem Jahr eine Menge Gedanken über Kindererziehung gemacht und darüber wie ich meine Kinder einmal erziehen will, wenn ich selbst welche habe. - Generell habe ich gemerkt, dass ich stärker bin als ich immer gedacht habe und Dinge alleine meistert, von denen man nicht einmal geglaubt hätte, dass sie einem passieren können. - Nicht jeder, den man für einen Freund hält, ist auch wirklich einer. Manche sind nur Weggefährten auf einem bestimmten Lebensabschnitt. - Genieße die kleinen Dinge im Leben. Sie sind in Wahrheit die Großen. - Das Jahr lehrt einen, flexibel und spontan auf unerwartete Dinge zu reagieren und das hilft einem nicht nur während des Studiums, wenn man eine Klausur vergessen hat und es erst einen Tag vorher bemerkt, sondern auch im Beruf, wo unerwartete Dinge öfters vorkommen als die, mit denen man rechnet. - Zu den hervorragenden Englischkenntnissen brauche ich wohl nichts zu sagen. Die helfen nicht nur im Beruf sondern auch beim Anschauen der coolsten neuen Serien und Filme aus den USA im Originalton. :) ... Janine:
Was mir mein Au pair Jahr gebracht hat...? Ich bin immer noch in Amerika ;-) Ich bin auf jeden Fall während des Jahres erwachsener geworden & hab mich, denke ich, auch als Person verändert. Das Beste, was mir das Au pair Jahr gebracht hat, sind natürlich die Freunde, die ich gewonnen habe & die Erinnerungen, die mir mein ganzen Leben bleiben werden.
...Claudia: JEDE MENGE!! 1. Das Englischstudium an der Uni fiel mir ziemlich leicht und ich kann die Sprache heute relativ gut sprechen. 2. Ich bin anderen Kulturen gegenüber viel offener und glaube nicht blind allen Vorurteilen. 3. Ich habe noch immer super Kontakt zu meiner Gastfamilie und kann alles mit ihnen besprechen, sie immer besuchen gehen und werde auch sieben Jahre später noch wie eine Tochter behandelt. 4. Ich traue mir viel mehr zu als früher, bin sehr selbstständig und viel selbstbewusster als vor dem Au pair Aufenthalt. 5. Ich habe auch später immer wieder Reisen auf eigene Faust unternommen und bin generell viel auf Achse. Das habe ich während meines Jahres begonnen. 6. Das Jahr hat mich darin bestärkt, dass ich beruflich unbedingt etwas mit Kindern machen möchte. Ich bin nun im Referendariat zur GHS-Lehrerin und LIEBE es.
Fazit: Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich würde es immer wieder tun!
...Steffi: Das Au pair Jahr hat mir Selbständigkeit gebracht und die Erkenntnis, dass man auch mit 19 schon "in der Fremde" bestehen kann (und damals, ohne Internet war man auch WIRKLICH weit weg...). Es hat mir das Englisch, welches ich zwar in der Schule lernte, "praktisch" vermittelt. Das Reden fiel mir plötzlich nicht mehr schwer. Und ich habe viele nette Menschen kennen gelernt, zu denen ich teilweise heute (fast 20 Jahre später!) noch Kontakt habe! Ich hab noch etwas gelernt... nämlich was das bedeutet, eine Familie zu haben und Kinder großzuziehen... Und ich hab schlagartig zu schätzen gewusst, was meine Mutter für mich alles getan hat.
... Melanie: [...]Verständnis und Neugier für fremde Kulturen, den Horizont immer und immer weiter vergrößern zu wollen... Man lernt seine Familie und auch Deutschland, über das ja jeder so schön meckern kann, unheimlich schätzen. Aber trotzdem hat man den Wunsch nochmal ins Ausland zu gehen. Nur so kann man ein anderes Land/ Kultur/ Leute kennen lernen...nicht 14 Tage Urlaub :) 1-2 Jahre in einem anderen Land würden mich durchaus reizen! Die Sprache... Mir würde etwas fehlen, nicht so gut Englisch zu können. Man denke nur an die Serien/ Filme im O-Ton!!! ;) Die Erinnerungen... Wie gern erinnere ich mich mit einem Lächeln an bestimmte Situationen...
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