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Lia
Hallo ihr Lieben, ich heiße Lia und bin 19 Jahre alt.
Letztes Jahr war es mein großer Traum die USA zu sehen und dort zu leben. Da ich auch gerne und sehr viel Zeit zu Hause mit Kindern verbracht hatte, dachte ich es wäre perfekt für mich als Au Pair in die Staaten zu gehen. Man hört ja auch nur Gutes darüber und zu selten das es auch mal in die Hose gehen kann. Wie ich im Nachhinein feststellen musste.
 
Schnell hatte ich auch eine (für mich) passende Organisation gefunden nämlich Cultural Care. Meine 200kinderbetreuungstunden hatte ich schon vorher voll, da ich wie gesagt viel mit Kindern gemacht hatte. Also ging alles ganz schnell. Die ersten Treffen waren, das erste Match war in meinem Account usw. Nach einigen Monaten hatte ich dann meine zukünftige Gastfamilie. Das Telefonat und alles lief sehr gut. Ich war echt begeistert von der Familie. Sie haben geschrieben das sie eine aufgeschlossene Familie sind, die sehr familiär ist und das beide Eltern Erfahrungen hätten mit einem Auslandsjahr.
Da es für mich das erste Mal gewesen wäre so lange von zu Hause und dann noch so weit weg zu sein, dachte ich wäre es perfekt eine Familie zu haben die genauso familiär ist wie ich und die mich wahrscheinlich verstehen und unterstützen können wenn ich Heimweh bekomm. Also habe ich der Familie zugesagt und bin kurze Zeit später in die USA geflogen.
 
Die erste Woche habe ich in der Au Pair Schule von CC verbracht. Da hat man viele andere Au Pairs kennen gelernt und man hatte eine relativ schöne Zeit, grade auch wegen dem Ausflug nach NY-City J .
Trotzdem konnte man es kaum erwarten endlich seine neue Familie kennen zu lernen bei der man bald ein Jahr leben wird.
Ich wurde von meinem Gastvater und der Tochter Kathy (2) vom Treffpunkt abgeholt. Sie haben mich total herzlich empfangen, sofort in den Arm genommen und gesagt das sie froh sind das ich heile und gut angekommen bin.
Die erste Woche war noch total aufregend. Alles ist neu, du siehst so viele neue Sachen und bist noch ziemlich begeistert von deinem ’neuen’ Leben.
 
Schnell ist mir aber bewusst geworden das die Amerikaner eine komplett andere Mentalität haben und es nicht einfach wird sich einzuleben. Allein die erste Woche die ich mit dem Kind verbracht hatte, war die Hölle für mich. Abends war ich nur am weinen, lag in meinem Bett und habe sehr viel darüber nachgedacht, dass das ein riesen Fehler war.
Ich hatte regelmäßig Kontakt zu meiner Familie nach Deutschland (dank Skype J ). Die haben mich am Anfang immer aufgemuntert und versucht es mir leichter zu machen indem sie meinten, es wäre nur die erste Zeit so schwer.
Leider ist es bei mir von Woche zu Woche immer schlimmer geworden. Mit dem Kind bin ich gar nicht klar gekommen, es hat nicht gehört, getreten, geschlagen und beim Essen die komplette Küche eingesaut weil sie jedes Mal ihr Essen durch die Gegend geworfen hat. Von zu Hause kannte ich es nicht das man sich so benehmen darf, auch als 2 jährige nicht.
Ich habe dann mit meinen Gasteltern darüber geredet das ich dieses Verhalten nicht unterstütze und das ich finde, das sie bestimmte Regeln lernen muss. Diesen Schritt zu wagen hat mich aber auch einige Tage gekostet, es ist ja nun mal nicht leicht zu seinen Gasteltern zu gehen und etwas gegen ihre Erziehung zu sagen.
Viel hat es allerdings nicht gebracht denn die Eltern fanden, das es ok ist wie sie ihr Kind erziehen und hatten für alles eine Ausrede.
Leider haben die Eltern mir auch Regeln gegeben an die ich mich zu halten hatte, z.B. sollte das Kind bei mir kein TV gucken oder PC spielen (ich meine mit 2 Jahren hat man so etwas sowieso nicht zu machen). Ich habe mich natürlich dran gehalten genauso daran das wir den Spielraum aufräumen wenn wir fertig sind. Leider haben es mir meine Gasteltern das Leben nicht so leicht gemacht, denn sie haben keine der Regeln befolgt. Morgens sah der Spielraum aus als wenn eine Bombe eingeschlagen hätte, jeden Abend saß das Kind vorm TV gleich nachdem ich Feierabend hatte oder sie durfte PC spielen. Dann ist es auch klar das sie mir die Zeit zur Hölle macht wenn ihre Eltern nicht da sind bei denen sie alles darf.
 
Ein anderer Punkt ist das sich ihr ganzes Leben um das Kind gedreht hat. Klar ihr denkt jetzt vielleicht dass das normal ist weil es ihr Kind ist. Ich denke mein Leben wird sich auch später um meine eigenen Kinder drehen und die werden das Wichtigste für mich sein. Nunja meine Gasteltern waren nur leider unter der Kontrolle von dem Kind. Ja genau, eine 2 jährige hatte ihre Eltern völlig im Griff.
Die Eltern haben es nicht hinbekommen, dass das Kind am Wochenende einen Mittagsschlaf macht oder einen Abend mal pünktlich ins Bett gekommen ist. Jedes Mal wenn Bettzeit angesagt war, haben sich die Eltern zusammen mit Kathy in ihr Bett gelegt und gewartet bis sie geschlafen hat. Danach konnten sie erst Sachen erledigen die sie vorhatten. Z.B. konnten sie ihre Wäsche nur nachts waschen oder für die Arbeit restliche Sachen vorbereiten. Bis um 22h lagen sie mindestens mit dem Kind zusammen im Bett. Aus dem Grund hatte ich jeden Mittag ein riesen Terz wenn es darum ging einen Mittagsschlaf zu machen.
 
Auch wenn es darum ging das ich mein Auto bekomme was die Eltern extra für das Au Pair gekauft haben. Nie hatten sie Zeit sich mit mir ins Auto zu setzten, mir die amerikanischen Regeln zu zeigen oder wichtige Plätze wo ich mit dem Kind hinfahren kann.
Jedes Mal hatten sie eine andere Ausrede, mal war Dies kaputt und dann Das.. Jede Woche ging das so. Ich konnte also nur mit dem Kind zu Hause bleiben oder auf der Straße spielen, da sie auch keinen Garten wirklich hatten.
Kontakte konnte man so auch nicht knüpfen. Zwar kannte ich andere Au Pairs, nur haben die ziemlich weit von mir weg gewohnt. Eine Busverbindung gab es auch in meiner Gegend nicht.
Nunja und ohne Auto, was ich sonst auch in meiner Freizeit benutzen durfte konnte ich nur selten was mit anderen Au Pairs unternehmen da mein Gastvater mich nicht immer gefahren hat. Obwohl er es mir vorher versprochen hatte.
 
Zu der Gastfamilie hatte ich keinen guten Draht, Interesse hatten sie allerdings auch nicht wirklich an mir.  Ja so ist es dazu gekommen das mein Heimweh von Tag zu Tag immer schlimmer geworden ist. Dazu muss ich allerdings sagen, bin ich (denke ich) nicht der Typ der für das Au Pair Leben gemacht ist. Die 2 Monate die ich in den USA verbracht habe waren die schlimmsten in meinem Leben. Man hat zwar viele Sachen gesehen und auch mal schöne Tage mit anderen Au Pairs gehabt. Ich lag trotzdem jeden Abend im Bett und habe geweint. Morgens bin ich aufgestanden mit tierischen Bauschmerzen und abends mit den Selben ins Bett gegangen. Ja ich musste mich sogar überwinden einzuschlafen weil ich dann Angst vor dem nächsten Tag hatte.
 
So schön sich das Au Pair Leben auch anhört, es gibt immer eine schlechte Seite. Und seit euch immer im Klaren darüber ob ihr diesen Schritt wirklich wagen wollt. Ich finde im Nachhinein war es kein Fehler, so gesehen. Es war für mich eine Erfahrung die ich machen musste. In diesem Fall eine Schlechte.
Nur bin ich froh, dass ich es früh genug abgebrochen habe und ein schönes Leben zu Hause jetzt habe.
Wenn ihr in der gleichen Situation seit, werden viele zu euch sagen das ihr es durchziehen sollt, es sie Chance eures Lebens ist und das nur die erste Zeit so sein wird, aber denkt einfach mal drüber nach ob ihr vielleicht nicht der Mensch für so einen großen Schritt seit. Wenn es auch wirklich nicht gut geht und ihr es nicht könnt, dann brecht früh genug ab das ihr euch wenigstens an ein paar schöne Dinge zurück erinnert, nur zieht es nicht durch und quält euch damit. Ich weiß es ist eine der schwersten Entscheidungen die ihr zu treffen habt, aber die kann euch keiner abnehmen. Es wird euch auch niemand verurteilen, das ihr abgebrochen habt, denkt immer daran, diesen Schritt erstmal zu wagen verdient großen Respekt.
 
Ich hoffe ich konnte euch einen guten Eindruck davon verschaffen, dass es nicht nur rosige Zeiten gibt und das nicht jeder die Kraft hat oder der Mensch ist der als Au Pair für ein Jahr von zu Hause weggehen kann.
 
Eure Lia

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