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Anneke

Mein Rematch - warum, wieso und überhaupt...


Um ganz ehrlich zu sein: Die ersten Zweifel, dass meine erste Gastfamilie nicht die Richtige ist hatte ich schon vor meinem Abflug in die USA. Ich hatte nicht erwartet, dass wir uns sehr viele Mails schreiben oder sehr oft telefonieren würden, doch in den 7 Monaten hatten wir eigentlich nur 2 Mal pro Monat überhaupt Kontakt und oft haben sie Fragen, die ich in Mails gestellt habe gar nicht beantwortet - sie waren beide sehr gestresst denke ich.
Auf den Fotos, die sie mir geschickt hatten, sahen meine Gasteltern zwar lächelnd, aber sehr aufgesetzt happy und mein gastvater seeehr verkrampft aus.
Wie auch immer. Der erste Tag in meiner Gastfamilie war noch sehr toll und ich schob meine Zweifel auf die allgemeine Aufregung und die Trennung von zu Hause.
Doch schon nach wenigen Tagen begann ich mich teilweise unwohl zu fühlen. Meine Gasteltern waren aus meiner Sicht sehr steif, kühl und distanziert - ganz anders, als ich es erhofft hatte (sie hatten sich als "warm, loving, caring and family orientated" beschrieben).
Da ich aber mit meinem Gastkind sehr gut klar kam und jeder Anfang wohl schwer ist habe ich meine Zweifel ein weiteres Mal zurückgeschoben und das Ganze positiv gesehen.
Ich habe mir immer eingeredet, dass ich einfach nur zu hohe ansprüche hätte und dass ich es an mir selbst liegen würde, dass es mir so schlecht ging bei ihnen.

Nach ca. 1 1/2 Moanten hatte ich das erste ernste gespräch mit meinen gasteltern, da 1. sie mit mir reden wollten, da sie merkten, dass ich unglücklich war und 2. ich schon lange überfällig war mit ihnen zu reden:
Das Gespräch verlief dann ungefähr so: Ich habe meiner Gatmutter erzählt, dass ich mir ihren dauernden Beschwerden über selbst die kleinsten Kleinigkeiten nicht klar komme [z.B. 2 Brotkrümel auf der Ablage die vielleicht noch nicht mal mir gehören und die Art, wie sie es mir sagt lässt mich denken, ich hätte gerade die schlimmste sache der welt getan haben). Dann kam mein Gastvater nach Hause und sie präsentiert ihm die situation folgendermaßen: "Anneke hates me". SO hatte ich das nicht gesagt (vielleicht ein wenig so gefühlt, aber ich WOLLTE sie ja mögen).
Mir war das ganze dann zu viel und ich hab angefangen zu heulen, woraufhin mir dann gesagt wurde "I won't talk to a hysterical teenager. Adults talk without crying" (Ich habe ihr versucht zu erklären, dass auch erwachsene weinen können, aber das hat sie nicht verstanden =( )
Na ja. Wie auch immer. EIn paar missverständnisse haben wir dann aus dem weg geräumt und mir wurden noch eine menge sachen gesagt, die ich doch bitte besser machen soll.
Irgendwann während des gesprächs als es dann wieder darauf hinzuging, dass ich mit ihr nicht klar komme war ich dann an dem punkt wo ich die familie wechseln wollte. Doch anstatt von "Es tut uns leid, dass es dir so schlecht geht" oder "vielleicht sollten wir auch etwas ändern und uns anpassen" sagten sie folgendes: "You know, that I will have to quit my job then because of you?!"
In diesem Moment war ich dann total mit den Nerven am Ende, denn 1. stimmt das nicht, da sie sich ein anderen au pair holen könnten und 2. schuldgefühle machen es auch nicht besser macht.
Aber - es hat gewirkt. Ich habe mich schuldig gefühlt und alles auf mich genommen und gesagt ich würde es nochmal versuchen.
Wirklich besser wurde es nicht, Zwar hatte ich auch gute tage mit ihnen und der kleine ist total sweeet und cute und so, aber im großen und ganzen habe ich mich von tag zu tag unwohler gefühlt.

Leider hatten die Schuldgefühle, ihre Gereiztheit und die tatsache, dass sie Anwältin und er Polizist ist zu einer sehr großen Angst meinerseits vor ihnen geführt, weshalb ich zu dem entschluss kam dort zu bleiben und es einfach über mich ergehen zu lassen.
Meine Freunde hier haben mir dann aber des öfteren gesagt, dass ich doch gehen sollte, wenn es mir so schlecht ginge und das es SO wirklich nicht ginge.
Da ich aber nun mal totale Angst vor meinen Gasteltern hatte (und selbst jetzt noch immer irgendwie habe) wusste ich nicht, was ich machen sollte.
Nach vielen gesprächen mit meinen eltern, meinen freunden und leuten aus der kirche habe ich mich dann beschlossen, dass es so nicht weiterginge und das ich ja hier bin um das jahr zu genießen und nicht mich mit einer situation zu arrangieren, in der ich unglücklich bin nur weil meine gasteltern ihre machtposition mir gegenüber (wenn auch unbewusst denke ich) ausnutzen.

Ich habe dann einen brief verfasst, den ich ihnen vorlesen wollte indem ich erklärt habe, warum es mir so schlecht ging und warum ich gehen wollte.
Nach 1 1/4 von den 4 seiten wurde ich mit den worten "What's your timeline?" unterbrochen. Ich - sowieso schon wieder fast am heulen, total am zittern und mit den nerven am ende - hab erst gar nicht verstanden, was er wollte. Na ja. er wollte wissen, wann ich gehen wollte.
So richtig beschlossen hatte ich es noch nicht, zu gehen (obwohl--- mein unterbewusstsein schon; ich nur noch nicht) aber nach dieser aussage wurde es mir dann doch schon klarer, dass ich gehen musste.

Je mehr wir geredet haben, desto klarer wurde mir, dass es richtig war zu gehen. Ein paar sätze und dinge, die ich während dieses gespräches entgegenet bekommen habe: "You will never find something better than us", "you make everything complicating for us", "You know that it will be so hard for Aiden", Hasserfüllte blicke, "I don't want you to hav any more contact to Aiden" ... die list ginge noch ein wenig weiter aber ich habe das gespräch teilweise verdrängt.
Ab dann ging es ziemlich schnell: ich habe meine sachen gepackt (Da mir gesagt wurde "go, pack your things and leave everything clean" - "we won't throw you out" ???? ein bisschen widersprüchlich oder??? -.-), am nächsten tag kam meine LCC und wir haben alles schriftliche erledigt und 3 stunden später haben 2 freunde aus der kirche mich abgeholt und ich war weg.

Mein gastvater hat sich dann noch entschuldigt, dass er mich nicht hat auslesen am tag vorher - er wollte den ganzen gefühlskram gar nicht hören sondern nur die fakten! ^^
So kam mir das da eigentlich die ganze zeit dort vor: meine gefühle waren nicht wirklich wichtig.
Ich könnte jetzt noch viele weitere situationen aufzählen, in denen es mir bei ihnen schlecht ging, aber ich bin glücklich, wenn ich nicht darüber nachdenken muss.
Ich glaube nicht, dass es ihnen wirklich bewusst war und ist, dass es mir wirklich sehr schlecht bei ihnen ging. Sie sind wirklich der meineung, sie wären super toll und einmalig -.- SIe haben erst auch gar nicht verstanden, dass ich mir eine neue familie suchen wollte. SIe dachten, ich hätte heimweh nach meiner familie oder meinem Freund. Das ich mir IHNEN einfach nicht klar kam haben sie nicht verstanden.


Es ist sehr schwer zu beschreiben, was mein Unwohlsein bewirkt hat, aber spätestens nach den Gesprächen war für mich klar, dass wir einfach zu unterschiedlich sind. Manche Unterschiede und Differenzen kann man überwinden und jeder Mensch ist bei so etwas anders, aber ich persönlich bin damit einfach nicht klar gekommen.
Nach 5 Tagen im Rematch und 5 Familienvorschlägen habe ich dann am Freitag einen Anruf von meinem neuen Hostdad bekommen. Wir haben lange geredet und nachmittags habe ich noch mit meiner neuen Hostmum telefoniert. Am selben Abend haben wir gematched und es war die beste entscheidung meines Jahres. Ich bin überglücklich hier in meiner neuen Familie und kann jetzt endlich das Jahr genießen.

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