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Name: Josie E-mail:
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Heimatland: Deutschland Au pair Jahr: 2000-2001 Au pair in: Washington DC & New Jersey Au pair Kids: 1. Familie: Andrew, 7 und Edward, 3 2. Familie: Matthew, Jonathan und Eric; 2, 4 und 5 Jahren Josie's Au pair JahrHallo, mein Name ist Josie, und seit einem Jahr bin ich wieder zurück im deutschen Leben und deutschen Gefilden: Es wäre mir gar nicht viel eher möglich gewesen, einen kleinen Bericht über mein ‚Au pair’ – Jahr zuschreiben, denn ich habe enorm viel Zeit gebraucht, die Veränderungen, unterschiedlichen Ansichten und vor allem den culture shock zu verarbeiten. Denn den hatte ich nicht in Amerika, sondern hier in der Heimat. Man verändert sich in einem Jahr, lernt Verantwortung und seinen eigenen Weg zu gehen, auch wenn das nicht immer leicht ist. Ich glaube es ist immer hilfreich von anderen Au Pairs Erfahrungen zu sammeln, die einem manchmal vielleicht in verzwickten Lagen Trost oder Mut spenden, denn viele Au Pairs haben Familienwechsel oder andere Probleme hinter sich. Aber wenn so was passiert....lasst euch nicht unterkriegen, arbeitet an euch selbst und vor allem: Zieht durch, was ihr wollt. Meistens hilft das wirklich weiter. Keiner kann euch diese Erfahrungen nehmen, und nirgendwo sind die einprägsamer, als wenn man sie fernab in einem fremden Land alleine bewältigen muss. Always look on the bright side of life… Erfahrungsbericht Au Pair in den USA 2000-2001Erste Vorbereitungen Im Winter 99 hatte ich mich für das Interexchange Au Pair Programm beworben, mit der festen Absicht ein cooles Jahr in den Staaten zu erleben. Amerika hatte mich seit einem 2 wöchigen Schulaustausch nach Washington DC ( bei dem ich in einer superlieben Gastfamilie untergekommen war ) nicht mehr in Ruhe gelassen und Englisch war seit jeher mein Lieblingsfach gewesen. Außerdem hatte ich eine Brieffreundin in Cincinnati, die mich dann auch 14 Tage in Deutschland besucht hatte. Die Interviews liefen klasse und das Ausfüllen der Bewerbungsunterlagen war auch kein Problem. Logisch, dass ich bei den Ortswünschen DC und Cincinnati angegeben hatte. Aber alles andere war auch willkommen, es war ja dennoch ein angenehmes Gefühl nicht ganz allein auf dem fremden Kontinent zu leben. Außerdem hatte man ja Autos...haha...man lernt das Wort ‚Entfernung’ erst kennen, wenn man für geraume Zeit in einem Mammutstaat, wie der USA, gelebt hat. Während meiner Abiturzeit bekam ich dann endlich den heißerwarteten Anruf meiner Gastfamilie. Zuerst sprach ich mit dem deutschen Au Pair, was vor mir dort arbeitete. Sie beschrieb mir die Situation und schwärmte von ihrem guten Verhältnis mit der Hostfamily. Prima, dachte ich mir, dann wird ja alles glatt gehen. Das es dennoch nicht einfach werden würde, wurde mir dann klar, als sie mir die gesundheitliche Lage von Andrew, dem älteren der beiden Söhne, schilderte. Lebensmittelallergien, Heuschnupfen und Asthma. Schon eine Berührung mit einem der Allergiestoffe konnte bei ihm einen anaphylaktischen Schock auslösen,...oder schlimmer. Edward, der Kleine, jedoch wäre wild, aber gesund. Später sprach ich noch mit Trish, der Gastmutter, die mir von ihrer Familie erzählte. Sie war eine Innenausstatterin, die aber kaum arbeitete. Ihr Mann Howard war Strafverteidiger. Andrew, 7, ging zur Schule und Edward, 3, würde bald für 2 Tage in den Kindergarten gehen. Die Pflichten des Au Pairs wären die Beschäftigung der Kinder und auch Bügeln. Die Familie lebte in Maryland, nur 20 Minuten von Washington DC entfernt. Das musste dann doch eine Offenbarung sein. DC. Juchu! Trish fragte mich nun, ob ich denn einverstanden wäre. Klar doch, DC in der Nähe, Vor-Au Pair mit guten Erfahrungen, und...Amerika Amerika Amerika! Als Abreisedatum legten wir uns auf den 17.7.00 fest, was aber leider nicht mit dem Visa klappte, weshalb ich erst eine Woche später fliegen konnte. Die Nacht davor konnte ich kaum schlafen, geschweige denn essen und war Dauergast auf allen Toiletten. Plötzlich wurde mir klar, was ich da eigentlich machte und mir war dann doch mulmig. Ganz allein für ein Jahr in die Fremde. Autsch...manchmal erschreckt man vor dem eigenen Mut. Ab geht’s... und ... woher nehme ich eigentlich diese gottverdammte Courage? Doch schon am Flughafen Frankfurt sah ich andere weinende Mädels und meine Vermutungen waren richtig: auch sie waren zukünftige Au Pairs mit riesigen Koffern und einem Kopf voll Vorfreude und Angst auf das Jahr Amerika. Wir kamen alle ins Gespräch und natürlich wurden im Voraus Adressen getauscht und man erkundigte sich über die Familien und vor allem über die Wohnorte. Die Trauer und Unsicherheit waren wie verflogen. Neugier begann sich breit zu machen. Von der Flugangst und ein paar wenigen Turbulenzen abgesehen, war der Flug nach NY doch angenehm und dann gings los....Koffer holen, Eltern anrufen, Shuttlebus finden ( das fand ich ziemlich nervig bei meiner Organisation, die Au Pairs von EF zum Beispiel wurden mit Schildchen empfangen und wir mussten uns durch die Menge schlagen ). Als auch diese Hürde gemeistert war und wir nach einer todesmutigen Fahrt durch Manhattan endlich im Hotel New Yorker gleich neben der Penn Station angekommen waren, begann man sich endlich klar zu werden, das man ziemlich auf sich alleine gestellt sein würde. Schließlich empfingen wir unsre Hefter und Materialien und wurden in die Zimmer eingewiesen. Man teilte sich ein Zimmer mit drei anderen Mädchen, die aus aller Welt kommen konnten. Ich hatte das Glück in einer kulturellen Würfelbude zu landen. Kerry kam aus Südafrika. Jolanda aus Belgien und Flavia aus Brasilien. Die Truppe verstand sich gut und wir hatten einen netten Kulturaustausch. Neben den Seminarstunden, die teils interessant, teils auch ziemlich öde waren, begaben wir uns auf New York Sightseeing Tour. World Trade Center, Empire State Building, eine Schifffahrt auf dem Hudson River, Times Square, Shopping auf der 5th Avenue und und und…ich war mir sicher New York so schnell nicht wieder zu sehen und wollte alles mitnehmen. Echt schräg war es auf dem Empire, was an diesem Abend völlig in Nebel gehüllt war. Oben fühlte man sich wie in einer Suppenschüssel, denn die Nebel waren hell angeleuchtet. Echt spooky. Doch der Tag der Wahrheit rückte näher. Departure zu den Gastfamilien. Schnell wurden noch Adressen getauscht und freudig nahm man in Kenntnis, dass sich einige Au Pairs doch in der Nähe befanden. Mit einem der Mädchen, Alex, fuhr ich sogar im gleichen Amtrak Zug nach DC. Dort stiegen wir mit Sack und Pack aus und wurden von den Gastfamilien abgeholt. Alex und ich verabschiedeten uns und trafen uns auch nie wieder, obwohl sie in Alexandria wohnte, was nicht wirklich weit weg war. Auf zum ersten Versuch... Mein erstes Treffen mit Howard war nicht wirklich toll, denn er schien ziemlich rau und unfreundlich, doch während der Fahrt im Cabrio ( es lebe Amerika.... ) unterhielten wir uns und er taute etwas auf. Auch Trish war freundlich und die Kinder ziemlich zappelig und aufgeregt. Sie kamen mir gleich mit ihren Pokemon Sammelheftern entgegengestürzt. Dass diese Serie ziemliches Gewicht in meinem Au Pair Jahr werden würde, wusste ich da ( Gott sei dank ) noch nicht.... An dem Haus wurde gerade gebaut, weshalb wir schon am Montag gemeinsam nach Delaware in das Haus eines Freundes der Familie fuhren. Ich kam mit den Kindern von Anfang an gut klar und auch die Gasteltern waren nett. Wir waren viel am Strand, aber da beide Elternteile da waren, wusste ich manchmal nicht so recht, was ich zu tun hatte. Was mich außerdem störte, war, dass ich auf der Couch im Wohnzimmer schlafen musste und so nicht wirklich meine Ruhe hatte. Das war zwar nicht weiter tragisch, aber etwas nervig. Trotzdem empfand ich die Zeit in Delaware noch als am angenehmsten. Ich durfte im Pick-up der Familie über die Strassen Delawares cruisen und das war echt cool, denn an der Stelle gab es Unmengen von Outlet Stores, wo die Waren reduziert und billig waren. Eigentlich war die Woche wirklich okay, wir gingen z.B. auch alle gemeinsam essen und so. Wieder zurück in Maryland dann, kam die erste befremdende Zeitspanne. Der Bau des Hauses zog sich weiter hin, so dass die Familie ins Hotel umzog. Ich hatte die Wahl im Haus weiter allein zu wohnen oder für unbegrenzte Zeit im Wohnzimmer auf der Couch zu schlafen, klar doch, dass ich das Haus wählte. Was vielleicht nicht die beste Entscheidung war, denn die Farbstoffe und anderen Baumaterialien waren nicht gerade gesundheitsfördernd. So bestand mein Arbeitstag hauptsächlich aus einem morgendlichen Drive zum Starbucks, einer genialen Kaffeehauskette, dann einer 10 minütigen Fahrt zum Hilton Hotel und dann daraus, mit der Gastmutter und den Kids entweder zu Tennis AGs, zu McDonalds, zu Arztbesuchen oder anderen Aktivitäten zu fahren. Was bald nervte, war, dass Trish immer dabei war und ich nichts mit den Kindern allein machen konnte. In dem Moment war es mir aber eigentlich egal, denn ich hatte ein scheinbar gutes Verhältnis zu Trish aufgebaut. Außerdem kam ich wirklich gut mit den Kindern klar. Mit Andrews Allergien musste man immer sehr vorsichtig sein, aber es war nicht wirklich problematisch, man musste halt mehr auf Hygiene in der Küche und so achten. Die kids waren beide vernarrt in das Nintendo 64, was sehr zu meinem Vorteil war, denn durch meinen kleinen Bruder kannte ich diese Spielkonsole und konnte die Jungs mit meinen Spielskills beeindrucken ;) Wenn das eine klappt, läuft meist das andre schief... So lief das dann über einen Monat. Meist um 9 zu Starbucks, dann ins Hilton, meist zwischen 5 und 7 zurück. Kleinere Ungereimtheiten wurden unter den Tisch geschoben. Auf beiden Seiten. Inzwischen lernte ich ein paar weitere deutsche Au Pairs kennen. Nancy, Anna, Sandra und Katja, mit der ich ein besonders gutes Verhältnis hatte. Sie wohnte bei einer polnischen Gastfamilie in Silver Spring, was so eine Viertelstunde Highway entfernt war. Wir gingen viel in Cafes, Kinos, fuhren in Malls und unternahmen Ausflüge in die Umgebung, wie auch nach DC. Da passierte auch schon ein Punkt, der später zur Auseinandersetzung führen sollte. Katja und ich hatten uns Howards Cabrio für einen Trip nach Tysons Corner, einem riesigen Shopping Mall in Virginia geliehen und uns auf dem Rückweg verfahren. An dem Morgen waren wir auch schon einige viele Kilometer durch unsere Stadt geirrt und das kombiniert mit den Meilen falscher Highwayfahrt summierte sich zu 180 Meilen insgesamt. Zwar wurde mir kein Meilenlimit vorgeschrieben, aber Trish war super sauer als Howard ihr darüber erzählte. Ich erklärte ihr, was passiert war, doch sie wollte mir nicht glauben und behauptete ich würde lügen. Das war der erste große Punkt und von da an ging es nur noch Berg ab. Ich hatte viel Spaß mit meinen Freunden und nahm deshalb kaum an Familienaktivitäten teil, was ich jetzt eigentlich bereue, denn nur so lernt man die Familie richtig kennen. Ich nahm oft das Auto, um zu Katja zu fahren, die kein eigenes besaß. Und all dies schien Trish ziemlich auf den Nerv zu gehen. Was ja auch völlig verständlich ist, jedoch äußerte sie das mir nie gegenüber, weshalb ich gar nichts über ihren Frust wusste. Das letzte große Übel ... und die lebensrettende’ Freundin... Als die Familie zurück ins Haus gezogen war, wurden die Dinge nicht besser. Andrew ging nun wieder zur Schule und meine Aufgabe war es ihn abzuholen und bei den Hausaufgaben zu helfen. Zwischendrin passte ich gemeinsam mit Trish auf Edward auf. Meist lief ein Tag zum Beispiel so ab: Um 8 ging ich nach oben ( mein Zimmer war im Keller ), passte auf, dass die Kinder ihr Frühstück aßen und half ihnen beim anziehen, dann schaffte Trish Andrew in die Schule, wo Edward sie meistens begleitete. In der Zeit räumte ich auf, was angefallen war. Dann kamen die beiden zurück und ich spielte mit Edward während Trish mit Freundinnen telefonierte und andere Dinge unternahm. Fast jeden Tag fuhren wir zu McDonalds zum Mittagessen oder Trish machte Chicken Nuggetts. Teils aus dem Grund, weil sie wusste, dass Andrew dies vertrug, teils aus Faulheit ( nehme ich an ). Dann gegen 1 legte sie sich mit Edward zum Mittagschlaf hin, wo ich mich dann ums Bügeln kümmerte. Dann holte ich Andrew von der Schule ab, die 5 Minuten per Fuß und 2 per Auto entfernt war. Entweder widmeten wir uns den Hausaufgaben oder spielten, um 5 hatte ich dann frei und war auch schon weg auf dem Weg zu Freunden. Edward saß viel vor der riesigen Fernsehanlage und beide Kinder waren verrückt nach dem Nintendo. Ab und zu lasen wir gemeinsam Geschichten, oder spielten draußen, aber nie ohne, dass Trish uns im Blick hatte. Oft fuhr ich auch zum Lebensmitteleinkauf, was eine klasse Abwechslung in alle der Monotonie war und dort traf ich einmal diesen Typen und wir verabredeten uns fürs Kino. Nun wollte ich Trish nicht sagen....aus welchem Grund auch immer, dass ich mich mit einem fremden Jungen treffen wollte und hatte sie bewusst angelogen und gesagt, dass ich das Auto brauchte um Sandra zu besuchen. Leider flog die Lüge auf. Seit diesen Tag redete Trish kein Wort mehr mit mir und ließ mich kalt abfahren, ich versuchte mehrmals mich zu entschuldigen, denn mir war klar, dass ich einen riesigen Fehler gemacht hatte. Doch sie ließ nicht mit sich reden. Das erste, was sie nach 2 Tagen dann wirklich von sich gab, waren die Worte: Ich hole den Local Coordniator ( der die Dinge überwacht und bei Streitigkeiten auch als eine Art Schiedsrichter agiert ), dann reden wir. Das war der Augenblick, wo mir bewusst wurde, dass alles schief gelaufen war. Anstelle über Probleme zu reden wurden sie beiderseits aufgestaut und das war daraus entstanden. Trish war mit mir unzufrieden und ich mit der Arbeit überhaupt. Mich nervte es, nur rumzuhängen, zu bügeln, man wurde automatisch träge und lustlos. Es gab keine Herausforderungen, keine Selbständigkeit und so auch kaum Spaß. Zwar mochte ich die Kinder, aber Trishs Lebensstil ging mir gewaltig auf den Keks. Sie war immer da, dennoch brauchte sie ein Au Pair, dass dazu noch Bügelfrau war und 2 Mal die Woche eine Putzhilfe. Das konnte doch nicht wahr sein. Dennoch bekam ich mordsmäßig Angst, dass Trish so überreagiert hatte. Mir war nicht bewusst, dass sie so sauer auf mich war, denn vor dem Geschehnis war sie völlig normal gewesen und hatte sich nichts anmerken lassen. Ich kam mir vor, wie im falschen Film. Ich entschuldigte mich immer wieder, schrieb ihr sogar eine Karte – ohne Erfolg. Auch von Joanne, der Koordinatorin, bekam ich anfangs keine Hilfe. Sie hatte kein Verständnis, und hörte sich nur Trishs Sicht der Dinge an. Sie kam zu dem Treffen, dass so endete, dass Trish mir all das an den Kopf warf, was ihr nicht passte. Vom Auto angefangen, denn das mit den Meilen hätte sie mir eh nie geglaubt, zu anderen Kleinigkeiten, von denen ich nichts wusste oder die nicht wirklich ein Diskussionspunkt gewesen waren. So hatte ich z.B. einen kleinen Autounfall, wo Blechschaden am Blinker von Howards Cabrio entstanden war, ich bezahlte die $500 ab und hatte Trish schließlich gefragt, ob sie den Blinker nicht mal reparieren wollten, denn er funktionierte nicht mehr und eine Fahrt über den Highway war so ziemlich gefährlich. Damals hatte sie nicht weiter drauf geantwortet, doch zu dem Interview begann sie Joanne davon zu erzählen, wie ich das denn hätte fragen können, jetzt wo sie gerade das Haus ausbaute . Geld für neue Nintendospiele und eine riesige DVD Fernseher Anlage waren natürlich da. Aber sie nahm diese Kleinigkeit, diese kleine Frage von mir, als Grund um weitere Argumente gegen mich zu finden. Dinge, die wir eigentlich so hätten klären sollen, wo es aber leider nie zur Aussprache kam. Das Howard sich 2 Monate später ein niegelnagelneues Cabrio kaufte ist natürlich eine andere Geschichte... Jedenfalls endete das Gespräch darin, dass Trish meinte, sie wolle ein neues Au Pair. Ich fühlte mich völlig vor den Kopf gestoßen und sagte, dass ich nicht weg wolle, immerhin war es ja auch nicht einfach sich einen komplett neuen Freundeskreis aufzubauen und diesen dann so einfach aufzugeben. Joanne meinte, Trish solle sich das nochmals überlegen und wir hätten 2 Wochen Übergangszeit. Doch Trish schien sich schon sehr klar gewesen zu sein. Ich riss mich die Woche wirklich zusammen, blieb lange da, nahm kaum das Auto, arbeite hart und versuchte immer wieder, mich zu entschuldigen, was nur auf taube Ohren stieß. Schließlich wand ich mich an Howard, mit dem ich mich besser verstand und er meinte, er wolle auch nicht, dass ich gehe, auch der Jungs willen nicht, aber Trish ließe nicht mit sich reden. Am Dienstag war ein Cluster Meeting, wo sich die Au Pairs und Local Coordinators treffen, doch bis dahin schien der Tag ewig. Ich war früh aufgestanden um den gewohnten Tagesablauf zu verrichten, als Trish mich anherrschte, doch in den Keller bügeln zu gehen, da ich kaum damit hinterherkam. So stand ich bis Mittag im Keller beim Bügeln, was ich auch wirklich machte, dann gegen 12 kam Edward runter, mit McDonalds Essen und wollte, dass ich hochkomme, doch Trish zog ihn weg und meinte ich solle weiterbügeln. Mehrmals ging ich hoch um mit ihr zu reden, doch sie herrschte mich an, Nicht vor den Kindern’ und ich ging wieder runter. Das klingt jetzt alles ziemlich unglaublich, aber genauso ging es zu. Das müsst ihr euch mal vor Augen führen: 8 Stunden in diesem Keller, beim Bügeln. Abends holte mich Sandra dann ab und wir fuhren gemeinsam zum Meeting, wo ich dann Joanne alles berichtete, auch von vorher, was sie nur aus Trishs Standpunkt kannte....und siehe da, plötzlich war sie gar nicht mehr so abweisend, sondern verständnisvoll und meinte sogar, das Trish eine sehr komplizierte und eifersüchtige Person sei. Das war natürlich gut zu hören, denn es gab mir etwas Selbstvertrauen zurück. Sie meinte dann auch, Trish habe kein Recht mich 8 Stunden in den Keller zum Bügeln zu schicken, was nicht die Aufgabe eines Au pair sei. Außerdem habe sie Aussicht auf eine neue Gastfamilie für mich, mit drei kleinen Jungs, im Alter von 2,4 und 5 Jahren. Eigentlich wollte ich überhaupt nicht wechseln, denn zwar war die Beziehung zu meiner Gastfamilie eisig geworden, doch hatte ich hier ziemlich gute Freunde gefunden, mit denen ich z.B. auch im Six Flags Vergnügungspark war. (( Was übrigens auch lustige Dinge nach sich zog: Sandra, Janina und deren Freundin Tanja, Katja und ich fuhren da nun kurz vor der Eröffnung hin und plötzlich kam uns ein älterer Herr entgegen, der uns glatt mal 5 Freikarten schenkte!! Das war echt klasse. In dem Six Flags steht auch übrigens die Superman Achterbahn, eine der höchsten Amerikas. Doch nun zu dem lustigsten aller Punkte: Tanja und ich kannten uns vorher nicht und begegneten uns auch in Amerika nie wieder, doch als ich letzten Winter mit meinem Englisch/ Deutsch Studium in Köln begann....ratet mal, wer dasselbe studierte und wen ich in einem der Kurse antraf..., und das obwohl ich aus dem tiefsten Osten und sie aus dem tiefsten Süden Deutschlands stammen. Die Welt ist doch echt ein Dorf, oder??? )) Doch als mich Trish am nächsten Tag wieder in den Keller schicken wollte, hatte ich die Nase voll. Ich sagte ihr, dass ich mit Joanne geredet hatte und dass es nicht meine Aufgabe wäre. Trish erwiderte daraufhin, dass ich meine Sachen packen solle, wenn ich nicht bügle. Nach einer kurzen Diskussion ( in der ich ihr sagte, dass ich schon am Mittwoch ausziehen würde, was ich mit Joanne ausgemacht hatte ) ging ich dann runter und packte meine Sachen. Trish kam mir schließlich wutentbrannt hinterher und meinte, sie rufe die Polizei, wenn ich nicht binnen einer halben Stunde aus dem Haus sei. Im Nachhinein muss ich über diese Reaktion eigentlich lachen, denn sie war ja diejenige die gegen den Vertrag handelte, aber in dem Moment war es mir überhaupt nicht nach Lachen zu Mute. Trish verabschiedete sich dann mit den Worten: „You know what, babe, you can kiss my ass.“ Und das war auch der letzte Gedanke, den ich an die Gastfamilie hatte, als mich Sandra abholte und zu Katja nach Silver Spring fuhr. Die längsten 2 Wochen meines Lebens... Das müsst ihr euch echt mal vor Augen führen....mutterseelenallein in einem fremden Land, und dann das... Katja war meine letzte Rettung. Nach der Aktion war ich völlig fertig und hatte erst mal zwei lange Telefonate mit Joanne und dem Büro in New York, die gar nicht fassen konnten, was dort abgelaufen war. Wir hatten über alles geredet und ich hatte auch meine Fehler geschildert, denn Schuld an dem ganzen Streit hatte ich nun mal auch gehabt. Doch ein Rauswurf ist keine legitime Lösung für ein solches Problem. Ich war auch das 2te Au Pair was von Trish so behandelt worden war. Joanne und die Koordinatorin meiner zukünftigen Gastfamilie, Robin, verhandelten nun über den kommenden Familienwechsel und ich sollte auf einen Anruf der nächsten Familie gefasst sein. Katja war in der ganzen Situation echt die rettende Seele, die mich unterstützt hat und mir geholfen hatte, alles zu verarbeiten. Dennoch war ich extrem nervös und hatte Angst bei der nächsten Familie erneut zu scheitern, aber ich nahm mir vor, über Probleme zu reden und vor allem die alten Fehler zu vermeiden, immerhin hatte ich eine zweite Chance bekommen und so leger wie ich an das Au Pair Jahr rangegangen war, wollte ich es nicht weiterführen. Klar erwartet man zuerst nur ein ganzes Jahr lang Spaß ohne Ende, aber die ganze Verantwortung, den ganzen Stress, rechnet man gar nicht ein. Und ich kann euch sagen, in einem fremden Land plötzlich auf der Straße zu stehen war nicht das, was ich mir unter Spaß vorgestellt hatte. Die 2te Gastfamilie sollte Priorität haben, ich wollte mich von Anfang an aktiv am Familienleben beteiligen. Aber als Patty dann zum ersten Mal anrief, war mir enorm flau in der Magengegend. Sie klang äußerst sympathisch am Telefon und erzählte mir, dass sie mit ihrem Ehemann Bob und den Kindern Matthew, Jonathan und Eric in New Jersey, nahe bei New York wohnen würde. Hola...deja vu, New York.....nun würde ich die Stadt doch sobald schon wieder sehen. Wir redeten und Patty beendete den Anruf mit den Worten, dass sie mit Bob noch mal über alles reden würde und dann noch mal anriefe. Also verstrich wieder eine lange Zeit der Unsicherheit und Selbstzweifel. Was, wenn sie mich unsympathisch fand, oder überhaupt. Ich hatte ihr meine Situation mit Trish geschildert und ihr erzählt, dass ich meine Fehler eingesehen hatte und sie verbessern wollte. Was, wenn sie das nicht glaubte? Musste ich dann nach Deutschland zurück? Das hätte ich wahrscheinlich als peinliche Niederlage betrachtet. Nach ein paar Tagen schließlich rief Patty erneut an und berichtete mir von ihrem Entschluss für den Familienwechsel. Also hieß es Koffer packen und wieder in den Amtrak Zug, diesmal in die entgegengesetzte Richtung. Die Philadelphia Skyline war jedes Mal das Highlight und diesmal konnte ich sie im Dunkeln betrachten, denn es war inzwischen November. Halloween hatte ich übrigens mit Katja und ihren Gastkindern gefeiert, was echte klasse war. Katja war eine teuflische Nonne und ich ein zahnloser Vampir in Turnschuhen. Die Süßigkeiten waren so zahlreich, dass sie bis Weihnachten reichten. Zwei Wochen lang war ich also in Transition bei Katjas Gastfamilie. Das war echt Glück im Unglück gewesen. Der Abschied war nicht wirklich einfach, aber schließlich war die neue Familie eine riesige Herausforderung and der ich auf keinen Fall scheitern wollte.
Der zweite Versuch ... oder ... wie soll ich * drei * Jungs bändigen??? Die Zugreise nach New Jersey bestand nur aus 3 Dingen: Meine Hair – CD hören, meinem Sitznachbarn ein Gespräch aufzudrängen und die ganze Zeit in quälender Neugier und Unsicherheit zu verharren. Steven, der nette Mann aus Atlanta, der leider den Platz neben mir erwischt hatte, schien äußerst geduldig und freundlich. Er berichtete mir über sein Leben als Anwalt und redete mir immer wieder gut zu, dass ich das schon packen würde. In der Union Station in DC hatte ich für Patty Blumen gekauft und er fand die Geste wirklich toll. Würde schon alles schief gehen. Na hoffentlich. Der erste gescheiterte Versuch hatte mein Selbstwertgefühl ziemlich nach unten gedrückt. In Newark, NJ, angekommen stand ich erst mal da und schleppte meine Koffer zur Rolltreppe, wo ich einen kleineren Mann mit grauem Haar erspähte. Ich hatte keine Bilder von der Familie gesehen, hatte mir aber Patty blond vorgestellt und Bob groß und brünett. Na ja....so konnte man sich irren. Bob war genauso groß wie ich und begann dann erst einmal meine beiden schweren Reisetaschen ins Auto zu laden. Dann erzählte er mir, im breiten New York Dialekt, der anfangs schwer zu verstehen war, dass er früher an der Börse gearbeitet hatte und nun Wrestling Lehrer an der Highschool war. Schließlich begann er mir seine Lebensgeschichte zu erzählen, wo er und Patty sich kennen gelernt hatten, von seinen Geschwistern und so weiter und so sofort. Als er dann über die Jungs redete wurde mir auch bange. Matty, der Älteste, sei öfters eifersüchtig auf JonJon, den Mittleren und da gäbe es oft Raufereien. Eric, von allen Mo genannt, sei der kleine Sonnenschein der Familie. 3 Jungs....ich begann an meinem Verstand zu zweifeln: Wieso zur Hölle hatte ich mich darauf eingelassen? Was, wenn etwas passieren würde?? Ein Zurück gabs ja nicht mehr.... Ich mochte Bob, aber dennoch wünschte ich mir, dass es noch ewig dauern würde, bis wir ankamen. Was aber nicht der Fall war. Das Haus war auf einem Hügel und die ganze Gegend wirkte reich, gepflegt und waldlich. Als wir dann schließlich eintraten, erwarteten Patty, JonJon und Mo uns schon. Wir begrüßten uns und Patty umarmte mich. Die Blumen fand sie klasse ( pooh, wenigstens ein guter Einstieg....). Die Kids waren so süß, aber wo war Matthew? Den hatte Patty schon ins Bett geschickt, weil er sich absolut daneben benommen hatte. Fing ja schon mal gut an... Wir unterhielten uns noch ein bisschen und am nächsten Tag wollten sie mir die Stadt zeigen. An den ersten zwei Abenden hatte ich plötzlich Heimweh nach Deutschland, was mir die ganze Zeit vorher nicht wirklich passiert war. Das zog sich noch so eine Woche hin, legte sich aber bald. Die Stadt war ein kleines Kaff, mit einer Bücherei, einem Bahnhof, einer handvoll Spielplätzen, einer davon, der Castle Spielplatz war echt abgefahren, denn er war aufgebaut wie ein Schloss mit Irrwegen und genug Raum zum Rumtoben. Dorthin fuhr ich dann gleich mit Bob und den Jungs. Ich lernte ein polnisches Au Pair kennen, deren großer Junge, Gus, mit Matthew befreundet war. Richtig an das Wochenende kann ich mich nicht mehr erinnern, außer dass ich versuchte, keinen Fehler zu machen und der Familie soviel Interesse wie möglich entgegenzubringen. Was auch gut klappte. Die Jungs waren supersüß und wir verstanden uns von Anhieb an. Bob war klasse und Patty fand ich auch äußerst herzlich. Wir redeten am ersten Wochenende noch so ein bisschen über den Familienwechsel und sie meinte, dass sie es gut fand, dass ich gleich auf die Jungs zugegangen wäre. Montag war mein erster Arbeitstag und auch der Tag, an dem Patty arbeiten gehen würde. Bob war jeden Abend lange weg, da er noch Wrestlingtraining erteilte, während Patty nur Montags und Donnerstag als Krankenschwester bei einem Dermatologen arbeitete. Ich war natürlich supernervös, denn bei Trish hatte ich die Kinder nie alleine gehabt, und hier waren es gleich drei, aber Matthew half mir und erklärte mir, wie alles ablief. Bob hatte mich noch gebeten, die kids schon um 7 ins Bett zu stecken, da sie etwas kränkelten, was ich dann auch tat. Ich las ihnen noch eine Geschichte vor und als Patty nach Hause kam, lagen alle drei friedlich im Bett. Sie war völlig perplex und guckte mich nur fragend an, wie ich das angestellt habe. Ihr Gesichtsausdruck war echt einmalig. Aber, wie schon gesagt, kam ich mit den Kids von Anfang an supergut klar. Sie waren so süß, z.B. wollte mich Eric den ersten Tag gar nicht loslassen und hing an mir rum, wie ein monkey, weshalb ich ihn dann auch nur monkey boy genannt habe. Mit der Zeit pegelte sich dann so ein Stundenplan ein, den Bob immer am Sonntag für die nächste Woche zusammenstellte. Meist fing ich früh halb acht an, machte den kids das Frühstück, half ihnen beim Anziehen, brachte Matty zum Schulbus, und fuhr mit JJ und Mo zum Bagelladen oder spielte so mit denen. Pat hatte immer ein Schlafproblem. Sie konnte abends erst spät einschlafen und war dann oft bei jedem Geräusch munter, so kam es vor, dass sie manchmal nur 2 Stunden geschlafen hatte. Deshalb bekam ich sie fast nie vor 10 zu Gesicht. Meine Aufgabe bestand also hauptsächlich darin, die kids früh zu beschäftigen und ruhig zu halten, was bei den Banausen manchmal echt schwer war. Ich war froh, dass sie auch auf mich hörten. Daran hatte ich nämlich auch gezweifelt. Montags und Donnerstags war Patty also arbeiten, wovon ich den Donnerstag am meisten mochte, denn dann hatte ich Pattys Auto und konnte so viel flexibler den Tag gestalten. Außerdem war Patty nach der Arbeit immer gut drauf, weshalb es doppelt so viel Spaß machte sie abzuholen. Am ersten Wochenende kam dann auch gleich ein paar Familienmitglieder zu Besuch, denn alle drei kids wurden getauft. Ich fand das voll klasse, dass ich dabei sein konnte, denn als Atheist erlebt man so was nicht oft. Ich glaube, ich mochte Pat echt von Anfang an, was einfach an ihrer herzlichen Art lag. Natürlich war ich nach dem Missgeschick mit der ersten Familie, wo ich anfangs ja auch dachte, gut mit Trish klarzukommen, noch äußerst misstrauisch, was sich erst wirklich vor Weihnachten legte. Deswegen war der erste Streit auch nicht wirklich so einfach wegzustecken gewesen. Es war so nach drei Wochen. Patty hatte JJ zum Arzt genommen, und ich war mit Mo zu Hause geblieben und sollte Matty 20 nach 11 vom Bus abholen, der auf der Hauptstraße hielt, sollte sie nicht bis viertel nach 11 vom Handy aus angerufen haben. Nun kam es so, dass kurz vorher eine Kollegin von Patty angerufen hatte. Ich nahm den Anruf auf dem festen Telefon im Keller, der ein Spielraum der Kinder war, entgegen, legte das Telefon zur Seite und rannte hoch zum schnurlosen Telefon, damit ich die Nummer aufschreiben konnte, die mir die Frau durchgab. Dummerweise hatte ich dann in aller Eile vergessen, das Telefon unten aufzulegen. Und wunderte mich schließlich, wieso Patty nicht anrief. Schließlich entschloss ich mich Mo zu nehmen und einfach Matty abzuholen, doch da kam mir Pam, eine nette Nachbarin, entgegen und brachte ihn vorbei. Irgendwann musste ich den Hörer unten wieder geistesabwesend aufgehangen haben, denn plötzlich klingelte dass Telefon und eine äußerst wütende Patty schrie mich an, dass sie wirklich sauer sei, und was ich mir denken würde, solange zu telefonieren und überhaupt. Ich wusste gar nicht, was los war, weil ich das mit dem Telefon nicht wirklich geschnallt hatte. Mir war schon wieder völlig schlecht, denn ich dachte mir nur, das wars dann, das ganze Trish Dilemma nochmals. Patty kam dann stocksauer nach Hause und schrie mich noch ein bisschen an, bis ich ihr in Tränen aufgelöst ( ich bin nun mal ein absolut nervliches Wrack, wenn es zu was kommt...) versicherte, dass ich nicht telefoniert hatte. Patty war dann ganz erschrocken, dass ich angefangen hatte zu weinen und umarmte mich erst mal ( jaja...klasse, danach kann man so was immer machen....). Sie meinte, sie würde mir glauben, außerdem würde die Telefonrechnung zeigen, ob ich Recht hatte oder nicht. Da beruhigte ich mich wieder, denn ich war mir ja keiner Schuld, außer meiner Tollpatschigkeit, bewusst. Damit war das Thema gegessen und kam auch nie wieder ins Gespräch. Ich fragte später Bob noch mal, ob Patty noch immer sauer sei, aber er meinte, dass ihr mexikanisches Temperament öfters mal mit ihr durchgehen würde. Und dabei hatte er Recht gehabt. Die Zeit bis Weihnachten verging wie im Flug, denn auf die Feiertage freute ich mich besonders. Die hatte ich mir freigenommen, um meine Freundin Monica und deren Familie, die Leckingers, in Cincinnati zu besuchen. Doch erst mal dahinkommen schien schon ein Problem zu werden. Martina, meine Au pair Freundin, war extra über Nacht bei mir geblieben um mich früh um 4 zum Flughafen zu fahren. In Newark sollte der Flug um 6.30 starten und gegen 9 in Cincinnati sein. Pustekuchen. Nach 2 Stunden warten im Flugzeug kam die Durchsage eines technischen Defekts, wieder raus, zum Terminal, umchecken, der nächste Flug ging halb 5. Martina war inzwischen wieder gekommen, um mir Gesellschaft zu leisten, und als ich dann halb 5 am Terminal stand, kam der nächste Schock. Falsche Buchung. Der Flug sollte vom LaGuardia Flughafen gehen, zu dem ich gar nicht hinkonnte. Übermüdet und stinksauer stand ich dann erneut in der Schlange um mir anzuhören, dass kein weiterer Flug nach Cincy möglich war. Ich war völlig fertig und irgendwie musste die Frau dann doch Mitleid mit mir bekommen haben und disponierte nochmals alles um, so dass ich mit einer Schwesternairline nach Columbus fliegen konnte. Zwei Haken, ich wäre erst um 11 in Ohio und 2 Stunden Highway von Cincy entfernt. Merry christmas. Letzten Endes ging die ganze Sache gut aus, Monie holte mich in Columbus ab und um 1 lag ich dann todmüde in der Koje. Die Weihnachtstage in Cincinnati waren echt klasse. Die Familie behandelte mich wie ein Familienmitglied und wir haben sogar deutsche Weihnachtslieder gesungen. Dennoch hatte ich Heimweh nach den Jungs, die mir nach den knapp 2 Monaten ans Herz gewachsen waren. Eine echt klasse Zeit ... Als ich dann am 27ten wieder zurückflog, war die Wiedersehensfreude groß, die Kids überschütteten mich mit ihren Weihnachtserinnerungen und alles klappte ringsum gut. Die Weihnachtsgeschenke der Familie fand ich auch klasse, einen Gutschein für American Eagles, meinen Lieblings Klamottenladen, ein paar abgefahrene Old Navy Socken, eine Fotobox von Oma Sue und noch ein paar andere Kleinigkeiten ... und Pattys ganz ‚spezielle’ Überraschung...eine Britney Spears CD als Revanche für den B S Kalender, den ich ihr geschenkt hatte. Ich freute mich dann auch schon auf Sylvester, was ich mit Martina in New York auf dem Times Square mit 4 Millionen anderen Leuten feiern wollte. Es war echt klasse und die Vorfreude war groß....bis es am 30ten schneite. Aber wie. Der Schnee war so dicht und hoch, dass der ganze Verkehr lahm lag, man kam nicht aus dem Hause raus und alle Geschäfte hatten zu. Winter ist in Amerika immer eine Ausnahmesituation. Doch glücklicherweise hatten die Amis bis zum nächsten Tag alles wieder unter Kontrolle gebracht und so fuhren wir mit dem Auto von Martinas Gastmutter in die City. Es war saukalt, mit Minusgraden und proppenvoll. Auf dem Times Square spielte Marilyn Manson und andere Rockacts, aber bei diesen Menschenmengen musste man schon seit Mittag anstehen und das war uns dann doch zu kalt. Also teilten wir uns auf. Martina ging mit ihrem Freund in den Central Park, in dem die Bäume blau beleuchtet waren, und ich ging ins Kino. In einen Literaturfilm, namens House of Mirth ( Akte X Fans wird das jetzt was sagen....), wo ich im Publikum schätzungsweise die Jüngste war und neben einem Literaturprofessor aus Manhattan saß. Später drängelten wir uns dann durch die Massen und konnten in weiter Ferne den Times Square sehen, nach drei Stunden klirrender Kälte war endlich Mitternacht und die Kugel über dem Times Square leuchtete auf und dann kam ein riesiges Feuerwerk, aber da machten wir drei uns auch schon wieder auf den 2 stündigen Rückweg, da die Subways überfüllt waren und Martinas Auto am World Trade Center parkte. Die nächsten Monate vergingen wie im Flug, alles lief bestens. Natürlich gab es hier und da auch noch ein paar Highlights. So wollte Janis, meine ‚älteste’ Freundin ( sie ist 2 Tage jünger als ich und wir kennen uns ein Leben lang ) auch als Au Pair nach Amerika kommen und wie Gott es so wollte, verschlug es sie nach Ridgewood, was nur eine knappe Stunde von mir entfernt lag. Wir unternahmen viel miteinander und diese gemeinsame USA Erfahrung hat uns wieder mal etwas mehr zusammengeführt. Wie ich ja schon mal erwähnt hatte, war Bob im Winter viel arbeiten, manchmal kam er erst spät abends, gegen 10, wieder. So war Patty oft allein mit den Kids und ich leistete ihr abends viel Gesellschaft. Es war einfach total klasse mit ihr zu reden und langsam entwickelte sich da auch eine Freundschaft draus. Patty nannte mich immer ihr ‚little Au Pair – friend’ und ich rief sie immer mit ‚my short, old, wrinkly Oma smurf’. Das klingt jetzt vielleicht nicht so nett, aber wir beide konnten immer voll gut den andern auf den Arm nehmen und unsern Spaß machen, was man auch an unseren tollen Britney Spears Geschenken sehen kann ;) So sind wir zum Beispiel abends auch mal ins Kino zu ‚Chocolat’ mit Juliette Binoche gegangen, nachdem wir uns vorher dick mit Ritter Sport Schokolade zugedeckt hatten, von der auch nachher nix mehr übrig war. Man konnte mit Patty immer klasse über alle Probleme reden, denn sie hörte auch zu, oder redete mit mir über Dinge, die sie bewegten. Einmal zum Beispiel hatte sie Zoff mit Bob und da sind wir halt einfach mal schnell in den Mall gefahren und waren paar Stunden shoppen. Im März dann, zu St. Patricks Day, entschlossen wir beide kurzerhand auf ein Matchbox 20 Konzert zu gehen, was in Camden bei Philadelphia stattfand. Ich glaube, Bob war etwas eifersüchtig gewesen, dass er daheim bleiben und auf die Kinder aufpassen musste. Das Konzert war echt klasse, v.a. die beiden Vorbands, Lifehouse und Everclear. Nur die 2 ½ stündige Rückfahrt war etwas stressig, denn die übernahm ich dann, während Patty pennte. Im März kamen dann auch meine Eltern für eine Woche zu Besuch, wovon sie die beiden Wochenenden bei uns im Haus blieben und die Wochentage in DC verbrachten. In der Hinsicht waren meine Gasteltern echt klasse, es war auch kein Thema, als mich meine Freundin Shelly im Mai zu meinem Geburtstag besuchte und es durften auch immer Leute bei mir übernachten. Ostern war auch nicht schlecht und ich kam gerade so noch drum herum, bei einer Kirchenfeier den Hasen zu spielen. Die Nächte zuvor hatten Pat und ich genutzt um ungefähr 500 Ostereier mit Süßigkeiten zu füllen und Ohren und Pfoten zurechtzuschneiden. Dann sollte ich dieses blöde rosa Osterhasenkostüm anprobieren, was ich auch tat ( Gott sei Dank existieren keine Fotos... lol ), aber Pat entschied sich im letzten Moment noch mal um. Wer der Unglückliche am Ende war, ist mir bis heute ein Rätsel. Was auch immer supi viel Spaß machte, war unser Kunstkurs gewesen: Als Au Pair muss man ja eine gewisse Stundenanzahl am College nachweisen, und ich entschied mich einen Kunstkurs zu belegen. Nach etwas Anstacheln entschied sich Patty ebenfalls mitzumachen und so fuhren wir jeden Dienstag fleißig zum Malen, was natürlich etwas in den Hintergrund rückte. Ich nutzte die Zeit immer, um ihr wirklich böse deutsche Wörter beizubringen und wir machten uns über gewisse Tischnachbarn lustig. Danach fuhren wir meist noch zu McDoof Fritten essen. Die Zeit war echt klasse, einmal wollte unser Lehrer uns wegen Unruhestiftung an separate Tische setzen. Darüber lachen wir uns heute noch am Telefon tot. Aber nicht immer war alles so rosig... Die Zeit verging wie im Flug und bald war es schon Frühjahr und Bob kam abends nicht mehr so spät nach Hause, meistens war er so gegen 4 da, und dann fingen die Probleme an. Ich mochte Bob als Person echt gerne, aber als Arbeitgeber war er ein Fiasko. So musste er immer Sonntags golfen, die Regel, dass man ein komplettes Wochenende monatlich frei bekam wurde öfter geskippt. Außerdem war er meist etwas genervt, wenn ich das Auto leihen wollte. Aber ohne Auto in Amerika....ein echtes Disaster. Das war auch einmal ein übler Streitpunkt zwischen uns gewesen. Meine Gastfamilie fuhr für ein paar Tage an den Strand und ich blieb zu Hause, da das Haus zu klein war und noch andere Familienmitglieder kamen. Allein, schön und gut, aber ich hatte kein Auto, und New Jersey’s Verkehrssystem ist echt nicht das beste. Außerdem rechnete Bob diese 5 zwangsläufig freien Tage gleich mal zu den 14 Tagen bezahlten Urlaub hinzu und da war ich echt ganz schön sauer, schließlich war es nicht meine Entscheidung gewesen. Ziemlich krass war auch, wenn ich im Nachhinein drüber nachdenke, dass ich zweimal über ein Wochenende mit den 3 Jungs alleine war, ohne Bezahlung.... Leider hatte ich meinen Mund nie auf- und mir Luft gemacht ( wahrscheinlich immer noch aus Angst, rausgeschmissen zu werden ), oder auf Geld bestanden ( klingt ja auch echt blöd ). Auch mager bezahlt ( 100 $ extra, das ist 1 Dollar pro Stunde.... ) waren die 4 Tage, die ich mit den beiden Kleinen ganz alleine war. Pat und Bob waren mit Matty zusammen nach San Francisco zu Pattys Familie geflogen und ich hatte halt die beiden Kleinen. Was man da für Verantwortung hat, kann sich ein Außenstehender gar nicht vorstellen. Man hält ja so gesehen seinen Hals in die Schlinge. Spaß gemacht hatte es dennoch und eigentlich war es auch ein klasse Gefühl zu sehen, wie die Kids dich lieb haben und man sie abends zufrieden ins Bett bringt. Das einzige stressige war, dass ich keine Nacht durchschlafen konnte, weil ständig einer der beiden munter war. Martina war während dieser Zeit auch viel bei mir und half mir, wofür ich ihr immer noch sehr dankbar bin. Im März kam dann Maritta nach New Jersey, nachdem sie aus einer Familie aus Maine gewechselt hatte. Ich begann dann fast jeden Abend mit ihr und Meike, einem anderen Au Pair aus der Gegend wegzugehen und wir hatten super viel Spaß, waren ständig skaten um uns danach die Kalorien wieder bei Fridays oder Dunkin Donuts anzufressen. Kurz gesagt, ich hatte echt wahnsinnig viel Spaß mit den beiden, und Bob war ja ständig da, weshalb Patty und ich kaum noch zusammen etwas unternahmen und natürlich...wie kann es auch anders sein... stauten sich Streitigkeiten auf und ein paar Wochen vor meinem Rückflug krachte es noch mal kräftig. Bobs Art ging mir teilweise gewaltig auf den Keks ( eins der Kinder fragt mich nach etwas, ich sage nein, sie gehen zum Vater und der sagt: Na klar, ich erlaub es euch, denn ich bin ja der Boss im Haus ) Mo verwandelte sich in einen richtigen kleinen Crouch, sobald Bob da war, denn bei ihm konnte er alles machen. Was mich außerdem extrem fertig machte, war, dass ich mich mit dem neuen Au Pair für eine Woche überschneiden würde und dann solange im Keller wohnen musste, was das Spielzimmer der Kinder war. Ich empfand das als schreiende Ungerechtigkeit, denn erstens fühlte ich mich wie ein Sperrmüll, der einfach irgendwo abgestellt wird und zweitens war ich EIFERSÜCHTIG. Schließlich waren das meine Kinder. Und es ist nicht einfach zu sehen, wie sie dich nicht mehr beachten und zum anderen Au Pair rennen. Ich malte mir schon die totalen Horrorszenen aus und dadurch hatten Patty und ich auch kaum mehr Spaß, wenn wir zusammen waren. ENDE GUT, ALLES GUT.... Maritta war diejenige, die den Stein ins Rollen brachte. Sie sprach kurzerhand Bob einfach mal auf seine Macken an. Ich war völlig perplex, denn ich hätte mir das niemals getraut und an dem Tag, an dem Caro, mein Nach Au Pair kam, krachte es dann gewaltig. Denn wenn Maritta argumentiert, fliegen die Fetzen. ( Grützi, Süße, falls du das liest! ). Schließlich ging ich dann noch mal ins Haus und meinte zu Patty: „We have to talk.“ Und das taten wir dann auch. Über eine Stunde ( Maritta, Meike und Janis hatten kurzerhand Caro mit in ein Cafe geschleppt ) lang, mit Heulen, Umarmen und allem, was dazu gehörte. Ich erklärte ihr, was mir auf dem Herzen lag und sie, was ihr Problem war und schließlich ging es dann 10 minutenlang nur noch: I’m sorry, and I love you, and I’m so sorry and I’ll miss you....“ Die Horrorszenarios erfüllten sich übrigens nie. Caro war ein echtes Sweetheart, die man einfach mögen musste, wir passten teilweise gemeinsam auf die kids auf, die auch unbewussterweise völlig gerecht zu beiden von uns waren. Patty schaffte es auch irgendwie, keinen zu benachteiligen und die Schlafsache regelte ich, in dem ich bei Janis Gastfamilie pennte. Was übrigens jedes Mal ein Thriller aufs neue war, denn die erlaubten es ihr nicht, Gäste übernachten zu lassen. Also schlichen wir uns rein und keiner merkte etwas....fast 5 Tage lang. Wir waren noch viel in New York und die letzte Woche war dann noch mal so schön, dass ich überhaupt nicht nach Hause wollte. Mit der Familie lief es bestens ( Patty und ich waren noch einen Keramikteller basteln und Tapete kaufen ), die letzte Nacht pennte ich noch mal mit in meinem alten / Caros Bett. Und der Abschied war extrem schwer. Ich war nur am heulen. Janis kam extra noch mal vorbei und wir hörten uns superlaut Ruby Tuesday von Melanie an, was sich dann auch den ganzen Rückflug über in Langschlaufphase hörte. Also... So, ich hoffe, dieser Bericht hat euch einen kleinen Einblick über mein Jahr gegeben, was garantiert nie langweilig war. Von den kleinen negativen Seiten am Ende abgesehen, hatten meine zweite Gastfamilie und ich wirklich ein sehr enges Verhältnis. Wir stehen auch jetzt noch in Kontakt via Telefon, E -mail und Paketen. Viele empfinden vielleicht jetzt dieses ganze emotionale Hickhack als belastend, oder so, aber das hängt auch von der jeweiligen Person ab. Nach dem Fiasko mit der ersten Familie war mir ein gutes Verhältnis zur zweiten extrem wichtig. Außerdem wollte ich NIE die Kinder als Arbeit sehen, sie waren ein Jahr lang meine kids und ich war für sie die große Schwester ( JonJon sagte am End immer: I wish you would stay here forever, I wish you were my sister. Und dafür hat sich wirklich aller Streß bezahlbar gemacht. ). Das hat aber jedes Au Pair für sich selbst zu entscheiden, viele grenzen auch Arbeit und Freizeit ab, was man ebenfalls akzeptieren muss. Dennoch finde ich, sollte man einfach versuchen ein respektvolles und warmes Verhältnis zu seiner Familie aufzubauen. Es macht das Jahr um so vieles angenehmer. Ich denke jetzt wirklich fast nur noch positiv zurück und vermisse meine drei Chaoten immer noch schrecklich. Auch die Freiheit dort drüben, über die highways düsen, lange Abende und Tage in New York, Ausflüge nach Seaside Heights, zum Strand, tätowieren in New York, Videoabende bei Maritta, skaten, Kino, shoppen bis zum Umkippen, Bagels, Starbucks, Munchkins, American Eagles, englisches Fernsehen, Rice Chex, englisch reden und und und... I miss America. Also…lasst euch nicht unterkriegen, denn was einen nicht umhaut, macht stark!!!! Geniest eure Zeit, seid euch aber der riesigen Verantwortung bewusst. Es wird nicht nur ein Jahr lang Geigel und noho on the roho, sondern ein full time Job. Man braucht tw Nerven aus Drahtseil, denn die Kinder können nichts für eure Launen oder Probleme und man sollte Frust auch nie an ihnen auslassen. Also....wer Kinder nicht wirklich mag, sollte es vielleicht am besten sein lassen. Und...reden. Immer über Probleme reden. Nicht jede Familie und jedes Au pair passen zusammen und falls es sich wirklich nicht ausarbeiten lässt, dann wechselt, denn fertig machen lassen, müsst ihr euch nicht... Wenn euch das alles bewusst ist, dann tut es. Au Pair sein ist eine klasse Erfahrung und in einem Jahr ändert man sich gewaltig. Liebe Grüße und viel Spaß. Wenn ihr wollt, mailt mir doch. bis dann.... Josie, goofball von Beruf
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