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Birthe

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Au pair in der Nähe von: Boston, MA
Au pair Jahr: August 2003 bis August 2004
Au pair Kids: Ross (4), Michaela (6), Justin (7½)

Birthe's Au pair Jahr 

Hallo!
Ich heiße Birthe und bin fast 23 Jahre alt. Mein Au Pair Jahr liegt schon etwas länger zurück. Am 25. August 2006 schon drei Jahre. Ja dieses Datum werde ich wohl nie vergessen. Ich bin am 25. August 2003 in eine völlig andere und neue Welt eingetaucht. Ich hatte keine großen Probleme mit meiner Bewerbung und in Sachen Visa. Mich riefen, wenn ich mich recht erinnere drei Familien an. Bei einer Familie mit drei Kindern ist es dann geblieben, da sich diese Familie wie immer am Anfang super nett und einfach nur toll anhörte. Also wie gesagt am 25. August ging es ab in die Lüfte. Der Abschied von meiner Familie und Freunden viel mir unheimlich schwer. Am Flughafen, in Düsseldorf, liefen nur so die Tränen und ich habe mich andauernd gefragt, warum ich das alles mache. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass ich mir diese Frage noch sehr oft stellen würde. Wir landeten gegen 19.00 Uhr in New York und mussten unseren Weg zum Hotel finden. Die Tage in NYC sind wie ich fand sehr unspektakulär im Bezug auf den Lehrgang, den man besuchen muss und sehr anstrengend. Geplagt von Heimweh und Müdigkeit versucht man den Unterricht hinter sich zu bringen und am Nachmittag noch möglichst viel von der wirklich genialen Stadt mit zu nehmen. Mir ist es nicht gelungen, da ich zu müde war und mir der Jet Lag physisch wie auch psychisch zu schaffen machte. Am 28. August 2003 flog ich von NYC nach Boston, MA, wo mich mein Gastvater Joel und mein jüngster Sprössling Ross abholten. Während der Fahrt nach Hause hielten wir bei Chicagos Pizza und aßen zu Abend. Für mich war das irgendwie unangenehm. Ich meine, was erzählt man seinem Gastvater. Wir haben dann über NY gesprochen, den Flug, das Wetter (immer sehr beliebt). Joel, wie sich auch später immer wieder herausstellte, war ein sehr stiller Geselle, mit dem ich während meines Jahres nie warm werden konnte. Zu hause angekommen lernte ich dann meine anderen beiden Sprösslinge kennen. Justin und Michaela. Natürlich waren alle beide bzw. drei noch sehr schüchtern, was sich bald legen würde. Mir wurde das Haus gezeigt und mein Zimmer. Als ich es sah bekam ich erst einmal einen Schock. Ich fand es sehr klein, was ich aber noch verkraften konnte, aber es lag direkt neben der Küche, also im Zentrum des Geschehens. Diese kleine Besonderheit war für mich später ein Problem, welches ich aber zu lösen wusste. Dies werde ich später noch erzählen. Am Wochenende hatte ich noch Schonfrist. Wir erkundeten die Stadt ein wenig, in der ich nun wohnte. Man zeigte mir die Wege zur Pre School und Elementary School. Ich war auf der einen Seite überwältigt und hatte eine gewisse Vorfreude auf das was noch kommen mag, auf der anderen Seite kam mir immer wieder die Frage in mir hoch warum ich das alles mache. Natürlich gab es die üblichen Gründe: Ich wollte die Sprache besser lernen, mochte Kinder sehr gerne und wollte einfach mal was ganz anderes machen. Doch waren es wirklich diese Gründe? In diesen Tagen war ich unheimlich von Heimweh geplagt und rief meine Eltern fast jeden Tag an. Leider machten sie sich dadurch sehr viele Gedanken und auch Sorgen und meine liebe Mama meinte nach der ersten Woche, dass ich doch zurückkommen könnte. Keiner wäre mir böse und alle wären stolz auf mich. Ich hätte es ja versucht. Doch jetzt schon aufgeben? Nach all dem Papierkram und Bangen und Hoffen?! NEIN!!! So schnell würde ich nicht aufgeben. Dafür war ich zu stolz. In der ersten Woche war meine Gastmutter Kim noch zu hause und zeigte mir alles. Ich muss dazu sagen, dass meine beiden Jungs Mukoviszidose haben und ich somit für deren Medikamente und Therapie teilweise verantwortlich war. Jeden Tag kam Janet ins Haus. Sie war Physiotherapeutin und machte spezielle Atemübungen mit Ross und Justin. In der zweiten Woche war ich dann auf mich allein gestellt. Ich war für das Frühstück verantwortlich, d.h. ich musste den Tisch decken, die Milch zubereiten und die Tabletten für die Kinder zurechtlegen. Das Frühstück sollte sich als eines der härtesten Herausforderungen gestalten. Meine lieben Kinder konnten sich nie entscheiden, was sie zum Frühstück haben wollten. Und dann endlich wenn sie sich entschieden hatten, trödelten sie auch noch herum. Meine Gasteltern waren in der Hinsicht keine große Unterstützung. Wenn Justin mich mal wieder ärgern wollte und sich inmitten seines Frühstücks von Bagels mit Cream Cheese auf eine Chocolate Chip Waffle um entschied, war dies völlig ok und ich durfte es dann ausbaden und alles noch einmal neu machen, wobei der Bus in 10 min kam und alle noch Zähne putzen und sich anziehen mussten. Am Ende habe ich es dann doch immer irgendwie geschafft die beiden ältesten noch pünktlich zum Bus zu bekommen. Mit der Zeit entwickelt man auch so seine Tricks. Nach dem Frühstück hat man die üblichen Sachen erledigt wie Wäsche und Zimmer machen. Nachmittags halt die Kinder zu Aktivitäten bringen oder sie ansonsten entertainen, da wie ich schnell herausfand meine Kinder das nicht selber konnten und ich immer den Clown spielen musste. Ich würde nun gerne sagen, dass ich mich schnell eingelebt habe und ich mich bald wie zu hause fühlte, doch das tat ich nicht. Ich hatte tagtäglich Heimweh. Wirklichen Anschluss zu anderen Au Pairs fand ich nicht. Ich bemühte mich zwar, doch in meiner Stadt waren erstens nicht viele und zweitens lag ich mit denen ich mich getroffen habe, nicht auf einer Wellenlänge. Dies alles geschah im September. Ende September starb auch noch meine Großtante, die wie eine Oma für mich war und mein Freund hielt es dann Mitte Oktober für besser, dass wir getrennte Wege gehen sollten. Ab da an konnte ich nicht mehr. Ich brachte die Tage irgendwie hinter mich. Meine Gasteltern halfen mir nicht bei meiner Trauer und ich hatte immer das Gefühl das ich nicht willkommen bin. Ich war sehr kurz davor mein Jahr abzubrechen. Doch etwas sagte in mir, NEIN du gibst noch nicht auf. Das war und ist dein Traum gewesen und wegen so was gibt man nicht einfach auf. An einem Abend kam mir eine Idee. Janet, die Therapeutin der Jungs war immer sehr nett zu mir. Sie interessierte sich für mich, meine Familie und Freunde und mein Land bzw. meine Kultur. Sie machte dass alles, was ich eigentlich von meinen Gasteltern erwatete hatte. Sie fragte einfach mal wie es mir geht und zeigte ein wenig Interesse an mir. Ich schrieb ihr einen Brief. Ich bedankte mich bei ihr für ihre Liebenswürdigkeit und für ihre Geschichten über ihre Familie. Ich erzählte von meiner Großtante und alle meinen Sorgen und dass ich sie und ihre Familie gerne näher kennen lernen würde. Ich hatte eigentlich nichts zu verlieren. Entweder sie sagt ja oder nein. Aber ich hatte Glück und sie sagt ja. An einem Wochenende an dem meine Family wegfuhr und ich nicht mitkonnte wegen eines Courses in Boston, war es soweit. Ich wollte nicht alleine in dem Haus sein, da ich auch kein Auto hatte und fragte nach ob ich nicht bei Janet bleiben könnte. Sie hatte zum Glück nichts dagegen. Von da an war ich ein Teil dieser Familie und bin es immer noch. Meine beste Freundin wurde Liz die Nichte von Janet. Ich verbrachte immer mehr Wochenenden bei ihnen. Ich hatte meine eigenes Zimmer, durfte das Auto von ihnen benutzen und wurde in alles mit einbezogen. Im Sachen Zimmer war es ein Traum. Es war ein King Size Bed und das Zimmer war im Keller, d.h. ich wurde nie von schreienden und sich streitenden Kindern am Wochenende geweckt. Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie so viel Gastfreundschaft und Vertrauen erfahren wie in dieser Zeit. Am Anfang hatte ich manchmal ein schlechtes Gewissen, dass ich so wenig mit meinen Gasteltern unternahm, aber ich merkte mit der Zeit das sie ihre eigenen Sorgen hatten und es wohl zu viel Stress für sie bedeuten würde, wenn sie ein wenig Interesse an mir zeigen würden. Ich fand mich damit ab und ich denke meine Family tat es auch. Am Ende war es mir auch egal, da meine Gastmutter mit der Zeit sehr ungerecht wurde. Aber das ist zu den Akten gelegt. Ich könnte noch so viel mehr schreiben über Geschichten, die mir passiert sind. Doch das würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen, was jetzt eigentlich auch schon der Fall ist.
Was kann ich abschließend zu meinem Jahr sagen. Was hat es mir gebracht? Warum habe ich all das gemacht? Na gut fangen wir mit dem üblichen an. Ich habe die englische Sprache lieben gelernt, so dass ich diese nun auch studiere, was ich nie für möglich gehalten hätte. Ich habe mir ganz alleine einen Freundeskreis in einer mir unbekannten Umgebung aufgebaut. Ein Mensch kann verdammt viel ertragen und leisten, was ich bis dahin auch nicht für möglich gehalten hätte. Ich weiß nicht ob ich selbstständiger geworden bin. Aber ich habe Erfahrungen gemacht, positive wie auch negative (und in meinem Jahr gab es verdammt viel negative), die ich nicht mehr missen möchte. Ich habe wie ich finde Freunde fürs Leben gefunden. Manchmal vermisse ich es auch heute noch in meinen Wochenendurlaub am Freitagabend zu fahren und am Sonntag erst wieder zurück zu kommen. Ich wurde das ganze Jahr über mit Heimweh belastet. Es verging kein einziger Tag, und wenn es auch nur für ein paar Minuten war, dass ich nicht ein paar traurige Gedanken an zu hause hatte. Viele Fragen sich nun warum das alles. Warum habe ich nicht gewechselt, wenn ich mich nicht mit meiner Gastfamilie verstand. Warum hab ich nicht gar aufgegeben und bin zurück geflogen? Um ehrlich zu sein, wenn ich Janet und ihre Familie nicht gehabt hätte, hätte ich es auch getan. Aber ich wollte sie nicht verlieren und ich wollte mit ihnen Zeit verbringen. Am Ende fiel mir der Abschied von ihnen auch viel schwerer als von meiner Gastfamilie. Meine Kinder sind mir schon ans Herz gewachsen. Doch kann ich nicht sagen, dass sie lovley und cute waren. Die drei waren schon ganz schön Au Pair geschädigt und wussten das auch anzuwenden und wie sie ihre Eltern um den Finger wickeln konnten. Irgendwann habe ich es aufgeben, daran etwas zu ändern. So leid es mir tut, am Schluss habe ich es nur noch als einen Job gesehen, was es mir um vieles einfacher machte. Ich kann jedem nur wirklich raten ein Au Pair Jahr zu machen, doch man sollte sich klar machen, dass es nicht nur super toll und super schön wird. Am Anfang hört sich alles noch rosig an, doch am Ende ist es doch vielleicht nur ein Job. Ich muss sagen, dass ich Glück hatte, diese andere Familie kennen zu lernen. Nach den zwei Jahren, die seit meiner Rückkehr vergangen sind, bin ich immer noch nicht richtig angekommen. Langsam frage ich mich ob das auch jemals passieren wird. Jetzt hier zurück in good old Germany vermisse ich Sonntags-Shopping und Richardson´s Ice Cream und vieles mehr. Als ich drüben war, habe ich Brot und Gouda Käse vermisst. Hier in Deutschland fallen mir auch nach zwei Jahren manchmal nur die englischen Wörter ein und in den USA war es umgekehrt. Doch mit allem was ich erlebt habe, würde ich es immer wieder tun, mit all dem Guten und dem Schlechten. Diese Erfahrungen kann mir keiner mehr nehmen und jedes Mal wenn ich die Landebahn vom Logan Airport sehe und denke, jetzt gleich plumpsen wir ins Meer, denke ich, ich bin wieder zu hause.
Wenn jemand noch mehr wissen will, freue ich mich sehr über Emails. Ich stehe gerne mit Rat und Tat zur Seite.

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