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Am 13.10.1997 begann mein Aufenthalt mit einem "Orientierungsseminar" (orientation) in einem Hotel am Stadtrand von New York City. Während des viertägigen Seminars wurde zwar versucht, auf die kulturellen Unterschiede unserer Heimatkulturen und der amerikanischen Kultur einzugehen, doch im Zentrum der ganztägigen Vorträge und Lehrtage stand die Vorbereitung auf die neuen Aufgaben, die wir als Aupair in den amerikanischen Familien möglichst gut erfüllen sollten. So bekamen wir also eine Menge Informationen über die amerikanische Kinderbetreung, die Werte, Ansichten und Erwartungen einer typischen amerikanischen Familie, die an einem solchen Aupair-Programm teilnehmen und erhielten ein paar Tipps über das Aupairleben im amerikanischen Alltag.
Besonders die ersten Tage im fremden Land waren für mich aufregend, denn noch traf man auf viele Gleichaltrige, die alle in der selben Lage waren und gespannt auf das waren, was kommen sollte. Als Einzige von den 230 Mädchen war während des Hinfluges ein Koffer mit all meinen Klamotten verloren gegangen und auch sonst hatte es am Anreisetag alle möglichen Turbulenzen gegeben, die überhaupt eintreffen konnten. So gestaltete sich der Anfang meines Auslandsaufenthaltes so erlebnisreich, dass ich alles gar nicht so schnell verarbeiten konnte und mich damit begnügte, einfach erstmal nur begeistert zu sein. Meine Gasteltern schickten mir auch einen wunderschönen Blumenstrauß zur Begrüßung in das Hotel. Ich war wirklich begeistert, wie nett alle waren.
In der ersten Woche bei meiner "neuen Familie" war ich doch ziemlich begeistert von all dem Fremden, den völlig anderen Dimensionen des Landes und von der Freundlichkeit, mit der ich überall aufgenommen wurde. Das half mir sehr beim Eingewöhnen. Und auch meine Gasteltern nahmen sich Zeit, mir zu helfen, wo sie konnten. Abends, nachdem die Kinder im Bett waren, saßen wir oft noch eine Weile zusammen und sprachen über den Tag oder über kulturelle Unterschiede. Sie waren sehr interessiert und ich glaube, die versuchten wirklich, sich in meine Lage zu versetzen. Das half mir. Ich war erstaunt, wie gut ich die Sprache verstehen konnte, auch wenn ich natürlich noch nicht so gut sprechen konnte. Mir gefiel besonders die tolle Landschaft und der "indian summer", weit ab von großen Städten und die Großzügigkeit der Grundstücke und des Hauses. Es dauert ein wenig, bis sich die Kinder an mich gewöhnten, aber auch das lief gut. Zu einigen Aupairs, die ich in New York kennengelernt hatte, behielt ich weiter Kontakt.
Diese euphorische Phase hielt aber nicht besonders lange an, denn schon ab der zweiten, dritten Woche, als der Alltag eintrat, wechselten sich die begeisterten und befremdlichen Gefühle regelmäßig ab. Besonders mit der lockeren amerikanischen Art der Kindererziehung bekam ich mehr und mehr Probleme. Die folgenden Auszüge aus Briefen schildern diese erste Phase recht gut: Auszüge aus Briefen an meine Eltern Mittwoch, 22.10.1997
"Die Beiden sind wirklich sehr lieb und hilfsbereit. Seit heute kann ich mir auch endlich (nach 2 Tagen) vorstellen, hier für eine Zeit zu bleiben. Es ist eine wunderschöne Gegend. Wie lange diese "eine Zeit" ist, werde ich sehen. Ich hoffe, bald sehr doll ausgelastet zu sein, nicht nur mit der Arbeit, sondern auch mit Aupairs oder neue Dinge treffen, sodass die Wochen so schnell vergehen wie zu Hause."
"Das Einzige, womit ich noch nicht ganz zurecht komme, ist die amerikanische Kindererziehung. Ich will keineswegs sagen sie wäre im "Endeffekt uneffektiv". Sie ist nur manchmal das, was wir "verzogen" nennen. Manchmal, das muss ich wirklich sagen, hat‘s nach längerem Überlegen viel Sinn. Brüllen die Eltern nicht mit den Kindern sind beide Teile etwas "ausgeglichener". Es würde aller sicher nur anstrengender sein und stets das Maximale aufbrauchen. Aber deshalb würde ich mein Kind noch lange nicht die ganze Zeit im Auto rumspielen lassen, Scheibenwischer und Licht etc. zum Starten bringen. Ich denke, den Kindern wird hier sehr viel und manchmal zuviel Freiraum gegeben. Anderseits tun (nicht nur meine Gasteltern) alle Familien alles für ihre "Kleinen". Alles ist kinderfreundlich [...]."
"Auf alles werden die Kinder langsam vorbereitet. Auf’s Waschen, Anziehen, Spiel-Ende, ins Bett gehen etc. Dann muss man immer ganz ruhig werden und nur reden. Nichts weiter! Wenn sie nicht wollen, mus man "ok" sagen und nachgeben. Aber nicht länger als 10 Minuten ca. ... . Meine Gasteltern helfen aber, wo sie können."
"Es wird sich alles einpegeln, auch bei Euch." Freitag, 24.10.1997
"Alle Aupairs sagen, die erste Woche war die schwerste und reiner "Horror". So warte ich auf die schöne Zeit, denn "es wird immer alles anders, als man denkt!"
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