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Ankunft in der Gastfamilie und die ersten Wochen Wie jedes Jahr im Sommer machen sich auch dieses Jahr wieder tausende von jungen Frauen und Männern auf über den großen Teich und stürzen sich in das Abenteuer Au pair. Die gesamte Zeit der Bewerbung und Familiensuche bedeutet für Au pairs eine ungeheure Spannung, welche ihren Höhepunkt wohl an dem Tag erreicht, an dem der Vorbereitungskurs in NYC beendet ist und der Weg zu den Gastfamilien angetreten wird! Egal, ob der Kontakt mit der Gastfamilie vorher eng oder eher kurz angebunden war, weiß man doch nie wirklich, was auf einen zukommt. Und dann ist es auf einmal so weit und man steigt aus dem Zug oder dem Flieger und steht seiner „neuen“ Familie gegenüber, befindet sich mitten im Abenteuer Au pair und klar ist eigentlich nur soviel: das Leben mit der Familie wird ganz anders sein, als das Leben, das man von zu Hause kennt und wird wohl auch kaum dem entsprechen, was man sich vorher so ausgemalt hat. Wie soll man sich nun also verhalten in dieser fremden Familie, in diesem fremden Land? Diese Frage lässt sich wohl nicht mit einem Grundrezept für richtiges Verhalten beantworten. Allerdings soll der folgende Artikel einige Gedanken und Erfahrungen zu den ersten Wochen in der Gastfamilie aufzeigen und so vielleicht einige Fragen oder Ängste klären. Die erste Begegnung Ich selbst habe diese Situation mehrmals durchgemacht und habe von Mal zu Mal dazu gelernt, auch wenn jede Situation einzigartig war. Grundsätzlich empfiehlt sich bei der ersten Begegnung, dass man – ob nun die ganze Familie da steht oder nur der Gastpapa oder nur die Gastmama- versucht, den Menschen, mit denen man nun ein ganzes Jahr zusammen verbringen möchte, offen und mit einem Lächeln begegnet und wenn man noch so müde und geschafft von der Reise ist. Auch muss man manchmal darauf gefasst sein, dass die Familie nicht ganz den Fotos entspricht, man vielleicht sogar erst einmal leicht erschrickt oder so etwas wie wenig Sympathie empfindet. Auch in solchen Situationen finde ich es wichtig erst einmal offen und freundlich zu bleiben und dem anderen eine Chance zu geben. Wie die Begrüßung aussieht, ob eine herzliche Umarmung oder ein Händedruck, das habe ich immer ganz der Situation überlassen und es hat sich immer von alleine ergeben. So wie die Au pairs alle unterschiedlich sind, sind es natürlich auch die Gastfamilien. Und während es wahrscheinlich ist, dass man bereits während der Fahrt zum zukünftigen Zuhause mit Fragen bombardiert wird, kann natürlich auch eine angespannte Ruhe möglich sein. Ich habe hier einfach genommen was kam und nichts erzwungen. Natürlich seid ihr in einer solchen Situation angespannt, aber die Gastfamilien sind es in den allermeisten Fällen auch. Home sweet Home Ein weiterer sehr spannender Augenblick ist der, an dem man zum ersten Mal sein neues Zuhause betritt und sein Zimmer zu Gesicht bekommt. In meinem Fall haben immer die Kinder übernommen, mir das Haus zu zeigen, was eine gute Gelegenheit war, mit den Kindern Kontakt aufzunehmen. Hier gilt natürlich auch, was für die neue Familie gilt. Der erste Eindruck vom neuen Haus muss nicht unbedingt dem entsprechen, was man sich so vorgestellt hat und Enttäuschungen, ja sogar Abneigungen, sind an der Tagesordnung. Hier ist es wieder wichtig möglichst offen zu bleiben und von einem Naserümpfen abzusehen. Ein Zimmer, das auf den ersten Blick unwohnlich und kahl aussieht, kann einem nach einigen Wochen des darin Wohnens bereits sehr ans Herz wachsen. Und wehe ein Besucher äußert sich dann abfällig darüber! Die ersten Tage Immer wenn ich das erste Mal morgens in meinem neuen Bett erwachte, war für mich der Punkt gekommen, an dem mir so richtig bewusst wurde, dass ich hier von nun an leben und noch viele viele Morgen in diesem Bett, in diesem Zimmer aufwachen werde. Dieser Gedanke war zwar aufregend, hatte aber auch immer etwas Erschreckendes und sorgte für ein Gefühlschaos, das ich noch sooo häufig erleben sollte. Der Tag nach der Ankunft lief in der Regel so ab, dass wir – die Familie und ich- uns hauptsächlich um organisatorische Dinge kümmerten. Das heißt, dass wir uns zusammen setzten und den zukünftigen Arbeitsplan besprachen und über Dinge sprachen, die es zu beachten galt. Dazu gehörten grundsätzliche Informationen über die Kinder (auch wenn ich die meist bereits vor meiner Ankunft hatte), wobei vor allem die Regeln (darf TV geschaut werden? Wie lange? Darf das Kind alleine im Garten spielen? Alleine in den Pool? usw.) und eventuelle Krankheiten (Allergien, usw.) eine große Rolle spielten. Lasst euch ziemlich schnell zeigen, wo ihr Pflaster und wichtige Medikamente finden könnt. Dabei ist wichtig, dass ihr abklärt, ob ihr sie verabreichen dürft/sollt und euch zeigen lasst, wie. Außerdem solltet ihr eine Liste mit Notfallnummern von Ärzten, der Giftzentrale und einer Kontaktperson haben, an die ihr euch wenden könnt, wenn die Eltern nicht erreichbar sind. Neben den Regeln für die Kinder sind natürlich auch die Hausregeln für das Au pair wichtig (wann darf ich Anrufe empfangen? Wie weit darf ich mit dem Auto fahren? Curfew?) Sinnvoll für den Anfang wäre, die wichtigsten Dinge schriftlich zu haben, da man sie sich angesichts der Flut an neuem kaum alle aufnehmen kann. Weitere organisatorische Dinge, die in der ersten Zeit auf einen zukommen werden, sind das Beantragen der Social Security Number, gegebenenfalls das Erwerben des Führerscheins, das Eröffnen eines Kontos und ähnliches. Ansonsten habe ich die ersten Tage in einer Gastfamilie immer damit verbracht, sehr viel zu beobachten. Wenn man genau hinsieht, wie die Dinge in dem noch fremden Haushalt gehandhabt werden, dann bekommt man bereits sehr viel mit, ohne, dass es überhaupt angesprochen werden muss. Nach einiger Zeit sieht man dann auch bereits von selbst die Dinge, die erledigt werden müssen und muss nicht in allem angewiesen werden. Das empfand ich immer als sehr befriedigend für mich selbst und zeigte außerdem der Familie, dass man daran interessiert ist, seine Arbeit gut zu erledigen. Wenn sich einem bei diesen Beobachtungen Fragen stellen, sollte man sich nicht scheuen, auch nachzufragen. Mir war es außerdem immer wichtig, mich am Leben der Gastfamilie interessiert zu zeigen und so das gegenseitige Beschnuppern in Gang zu bringen. Dabei sollte man sich meiner Meinung nach interessiert geben, aber nicht verbiegen, sondern man selbst bleiben. Mitunter kann dies sehr schwierig sein, denn mehr als einmal habe ich von Au pairs gehört, dass sie sich in dieser ganz neuen Situation selbst nicht mehr erkannten. Ich würde behaupten, dass dies insofern relativ normal ist, da man sich in einer komplett neuen Situation befindet und unter höchstem psychischen Stress steht. Es ist nie einfach sein bisheriges Leben zu verlassen, sich ausschließlich von Fremden umgeben wieder zu finden, in einem fremden Land mit einer fremden Sprache. Bewusst ist einem dieser psychische Stress übrigens oftmals nicht so richtig, er läuft eher im Unterbewusstsein ab. Heimweh und Gegenmittelchen Die Tatsache, dass man sich fernab von zu Hause bei fremden Menschen befindet und sein bisheriges Leben komplett aufgegeben hat, führt bei vielen Au pairs früher oder später zu Heimwehanfällen. Diese können ziemlich schnell auftreten, aber auch erst nach ein paar Wochen zum Vorschein kommen, wenn sich die erste Euphorie und Aufregung etwas gelegt hat. Wie man mit dem Heimweh umgeht, muss jedes Au pair für sich selbst herausfinden. Manchen hilft es mit den Lieben daheim zu telefonieren, bei anderen verschlimmern solche Kontakte die Situation. Was aber eigentlich immer hilft ist Ablenkung. Versucht möglichst bald nach eurer Ankunft Kontakte außerhalb der Familie zu knüpfen und euch so einen Ausgleich neben dem Leben in der Familie zu verschaffen. Ein wichtiger Punkt dabei ist schon mal, sich mit der Gegend vertraut zu machen. Alle Au pairs bekommen von ihren LCCs Listen mit Au pairs in der Gegend zur Verfügung gestellt. Habt keine Scheu diese auch zu benutzen und bei anderen Au pairs anzurufen. Diese sind oder waren in derselben Situation wie ihr und werden euch nur all zu gut verstehen. Neben den Au pairs kann man aber auch weitere Kontakte knüpfen. Hierfür kann es ja sein, dass eure Gasteltern, Nachbarn oder sonstige Menschen in der Gegend (Kindergärtnerin, Bibliothekarin usw.) Leute in eurem Alter kennen. Ansonsten findet man mit Sicherheit in Sportclubs, bei Freiwilligenarbeit oder in Kirchengemeinden schnell Anschluss. Und nicht zuletzt bieten die College Kurse, die man absolvieren muss eine exzellente Quelle dafür, Kontakte zu knüpfen. Natürlich kann man nicht erwarten, nach wenigen Tagen bereits einen riesigen Freundeskreis um sich zu scharen. Dennoch ist es wichtig, einen Ausgleich zum Familienleben zu finden und sich bei Heimweh oder Stimmungstief nicht zu verkriechen. Was spricht denn dagegen einmal alleine zum Shoppen loszuziehen oder ins Kino zu gehen. Und wer weiß, wen man da so trifft… Oftmals spielt beim Zeitpunkt und Ausmaß des Auftretens die allgemeine Situation des Au pairs mit der Familie eine große Rolle. Schließlich kann sich jeder gut vorstellen dass, wenn man sich unwohl fühlt, man viel anfälliger ist für Heimweh und Stimmungstiefs (was nicht heißt, dass man kein Heimweh bekommt, wenn man sich in der Familie wohl fühlt). Deswegen gilt es immer Probleme zu vermeiden und zu lösen! Unstimmigkeiten mit der Familie Wo immer Menschen zusammen leben, ist es utopisch zu erwarten, dass nur eitel Sonnenschein und Friede, Freude Eierkuchen herrschen. Das war zu Hause mit den Eltern, Partnern oder Mitbewohnern nicht so und wird auch im neuen Zuhause kaum der Fall sein. Aller Anfang ist schwer und wenn Unstimmigkeiten auftreten ist es also wichtig, zu wissen, dass dies nicht unnormal ist und nicht gleich das Ende der Welt bedeuten muss. Bitte werft also nicht gleich die Flinte ins Korn, sondern versucht Probleme anzugehen, so lange sie noch nicht zu Problembergen angewachsen sind. Bei den meisten Problemchen, die im Alltag auftreten hilft bereits ein klärendes Gespräch. Es wird sich dabei häufig herausstellen, dass Unstimmigkeiten auf Missverständnissen beruhen. Grund für die Missverständnisse können unter anderem Sprachbarrieren sein, oder aber kulturelle Unterschiede. Um diesen Missverständnissen vorzubeugen, hilft nur eines: reden, reden, reden. Wenn ich das Verhalten meiner Gastfamilie nicht nachvollziehen konnte oder mir bei einer Sache unsicher war, habe ich es mir, vor allem am Anfang, zur Regel gemacht, nachzufragen bevor ich irgendetwas auf mich bezogen habe. Das gilt auch für die Fälle in denen man sprachlich nicht alles versteht, was erklärt oder gesagt wird. Es ist keine Schande dann nachzufragen. Lieber einmal zu viel gefragt, als nachher ein riesiges Missverständnis provoziert. Kinder Grund dafür, dass man sich zu Beginn nicht zu 100% wohl fühlt, können auch die Kinder sein. Es ist nicht selten, dass man als neues Au pair Dinge wie "I hate you!" oder "Go back to Germany!" an den Kopf geknallt bekommt. In eine neue Familie zu kommen war für mich immer sehr spannend und ganz besonders spannend war es für mich Kontakt zu den Kindern aufzunehmen. Bei all meinen Au pair Kindern lief diese Kontaktaufnahme ebenso unterschiedlich ab, wie verschieden die Kinder waren. Generell habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass es ratsam ist, die Kinder auf einen zu kommen zu lassen und nicht gleich zu viel Aufmerksamkeit von ihnen zu fordern. Schließlich sind die Kinder mit einem Umbruch in ihrem gewohnten Leben konfrontiert und das neue Au pair ist eindeutig die Ursache dieses Umbruchs, was nicht alle Kinder als positiv empfinden. So kann die Ankunft eines neuen Au pairs ja bedeuten, dass ein altes, geliebtes Au pair geht, wenn die Familie bereits Au pairs hatte oder aber, dass ein Fremdling in die Familie eindringt, wenn es sich um das erste Au pair handelt. Aus diesem Grunde kann es durchaus passieren, dass man erst einmal auf Ablehnung stößt, was man nicht sofort auf sich als Person beziehen sollte. Als Brücke zur ersten Kontaktaufnahme diente bei mir zum Beispiel, dass die großen Kinder mir das Haus zeigten, ich sie Dinge erklären ließ oder ähnliches. Auch hier gilt, dass mit einem Lächeln auf den Lippen und einer offenen Haltung vieles leichter fällt. Das alte Au pair Nicht nur für die Kinder spielt das alte Au pair (oder auch die alte Nanny/Babysitter) möglicherweise noch eine große Rolle. Vielleicht ist die ehemalige Betreuungsperson sogar die ersten Tage noch anwesend, was mit Sicherheit für alle Beteiligten nicht immer leicht ist. In einem solchen Falle ist es ziemlich normal, dass die Kinder noch sehr auf diese Person fixiert sind, was wiederum nichts mit dem neuen Au pair als Person zu tun haben muss. Natürlich kann man vom alten Au pair andererseits auch viel über die Kinder, die Arbeit und die Gegend lernen und erfahren. Allein mit den Kindern Da Au pairs ja in der Regel bereits einiges an Erfahrung in der Kinderbetreuung mitbringen, kennt das mit Sicherheit jeder, dass diese eigentlich immer zuerst ihre Grenzen austesten, wenn sie es mit einer neuen Person zu tun haben. Während der ersten Arbeitstage (und dann immer mal wieder) wird jedes Au pair mit Sicherheit mit einem solchen Austesten konfrontiert werden, da muss man einfach durch. Wichtig ist hierbei, dass man in diesen Situation wirklich deutlich macht, was die Grenzen sind und auch dabei standhaft bleibt. Unter Umständen muss man hier eben auch Strenge beweisen (verbal!!!) An den ersten Arbeitstagen kam es bei mir außerdem auch ab und zu vor, dass ich mir unsicher war, ob die Kinder nun etwas dürfen oder nicht. In einem solchen Falle habe ich es dann eben lieber nicht zugelassen und erst einmal am Abend mit den Gasteltern geredet, was natürlich auch zu Unmut bei den Kindern führen konnte. Aber ich finde, man darf keine Angst davor haben unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Ein Verbot oder Schimpfen ist nicht maßgeblich dafür, dass die Kinder einen mögen. Vor allem zu Beginn ist man mit den Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder noch nicht so vertraut. Hier ist es wichtig, dass man lieber zu streng ist, als bei Gefahrenquellen nachzugeben. Die ersten Tage und Wochen: anstrengend aber spannend Die ersten Tage und Wochen sind also eindeutig voll von Spannung und Aufregung! Es gibt ständig Neues zu entdecken und kennen zu lernen. Neben all dieser Spannung und Aufregung hat diese Anfangszeit aber doch auch so ihre Tücken. Wir hoffen nun, euch mit diesem Artikel einen kleinen Anhaltspunkt dafür gegeben zu haben, wie man diesen Anfang erfolgreich gestaltet, und dass bestimmte Dinge ganz normal sind. Letztendlich wird aber jedes Au pair in der entsprechenden Familie den eigenen Weg finden und gehen müssen. Für diese aufregende Zeit wünschen wir euch ganz viel Glück und eine Menge wunderschöner Augenblicke.
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